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Die Griechische Landschildkröte

(Testudo hermanni, GMELIN 1789)

SIGS-Merkblatt Nr. 1

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Ordnung: Halsberger (Cryptodira)
Familie: Landschildkröten (Testudinidae)
Gattung: Europäische Landschildkröten (Testudo)


Griechische Landschildkröte, Ostrasse (Testudo hermanni boettgeri).
Foto: Stefan Kundert

Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) gehört bei uns zu den am häufigsten gehaltenen Landschildkröten. Charakteristisch ist ihre schwarz-gelbe Zeichnung. Sie erreicht bei guter Pflege ein hohes Alter von 100 und mehr Jahren.

Es gibt eine "Ostrasse", Testudo hermanni boettgeri, und eine "Westrasse", Testudo hermanni hermanni. Die Nachzucht dieser Schildkröten in der Gefangenschaft gelingt schon sehr vielen Haltern.

Artenschutzstatus

Liste 2 des Washingtoner Artenschutzabkommens, unterliegt aber in den Ursprungsländern einem strikten Ausfuhrverbot.

Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) lebt an Sonnenhängen mit Wiesland und Gebüschen (Macchia). Sie kommt in östlichen (Testudo hermanni boettgeri) und in westlichen Mittelmeerländern (Testudo hermanni hermanni) vor. Im Winter macht sie einen Winterschlaf. Als Reptil ist sie auf Wärmezufuhr von aussen angewiesen.


Lebensraum der Griechischen Landschildkröte, Westrasse.
Foto: Stefan Kundert

Haltung

Im Sommer leben die Griechischen Landschildkröten in einem Aussengehege. Der sonnigste Platz gehört ihnen. Es soll ihnen möglichst viel Platz zur Verfügung stehen. Sie brauchen neben Sonnenplätzen auch Schattenplätze und Verstecke. Bei kühler Witterung muss eine trockene und beheizbare Behausung zur Verfügung stehen. Sonnenlicht und Wärme sind das Lebenselixier unserer Pfleglinge. Ein Frühbeetkasten oder ein Treibhaus verwandeln unser Klima in ein mediterranes.

Landschildkröten sollten nicht mit Sumpf- oder Wasserschildkröten zusammen gehalten werden. Die Umzäunung muss mindestens 40 cm hoch sein, um ausbruchsicher zu sein. Eine Abwinkelung nach innen verhindert ein Ueberklettern. Maschengitter eignet sich nicht als Umzäunung. Marder sind Jungtierräuber.

Haben Sie gewusst:

  • Griechische Landschildkröten können 80 bis 120 Jahre alt werden.
  • Ein Weibchen legt bis zu drei Mal im Jahr Eier.
  • Griechische Landschildkröten machen einen 4 - 5 monatigen Winterschlaf.
  • Landschildkröten sind Pflanzenfresser.

Liste 2 des Washingtoner Artenschutzabkommens, unterliegt aber in den Ursprungsländern einem strikten Ausfuhrverbot.


Portrait einer Griechischen Landschildkröte, Ostrasse
(Testudo hermanni boettgeri)
Foto: Stefan Kundert

Fütterung

Die Griechischen Landschildkröten sind Pflanzenfresser und ernähren sich von Kräutern, Gräsern und Blumen. Bieten Sie ihnen eine Magerwiesen-ähnliche Vegetation an, aus der sie sich das Futter selbst auslesen können. Heu ist eine ideale Ergänzung.

Katzenfutter, Teigwaren, Haferflocken, Milchbrocken oder Obst sind schädlich und dürfen nicht angeboten werden. Das meiste im Handel angebotene Fertigfutter ist zu eiweissreich und bewirkt zu schnelles Wachstum und Nierenschäden (Gicht).

Grünzeug kann zugefüttert werden. Endiviensalat, Zuckerhut, Lattich usw. eignen sich gut. 

Achtung: Auch mit "nur" Grünzeug kann eine Schildkröte überfüttert werden. In der Natur suchen die Tiere ihr Futter und sind immer in Bewegung. Tragen Sie dem Rechnung und bieten Sie Ihren Tieren "Futtersuche" an.

Obst kann zu nachhaltigen Durchfällen und Störungen der Darmflora führen. Die Heilung kann ein langwieriges Unterfangen sein. Sepiaschalen werden gerne genommen. Sie können der Regulierung des Kalziumhaushaltes dienen. Bei einer möglichst natürlichen Fütterung erübrigen sich zusätzliche Vitamingaben. Jungtiere sind genau gleich zu füttern wie erwachsene Tiere.


Griechische Landschildkröten, Westrasse mit typischem gelben Kinnfleck.
Foto: Stefan Kundert

Winterschlaf

Die Griechischen Landschildkröten halten ab ihrem ersten Winter einen Winterschlaf. Er dauert 4 bis 5 Monate. Es dürfen nur gesunde Tiere in den Winterschlaf verbracht werden. Die Vorbereitung soll schrittweise erfolgen. Achten Sie auf eine hohe Substratfeuchtigkeit.

Überwinterungsmethoden

  • Freiland (Vorsicht!)
  • Kühler, dunkler Innenraum.
  • Kühlschrank.

Temperatur: +4°-+6°C
Feuchtigkeit: hoch

Die Weibchen dürfen keine Eier mehr tragen. Unruhige Tiere müssen untersucht werden.

Krankheiten

  • Sehr anfällig für Herpesvirusinfektionen!
  • Bissverletzungen durch rivalisierende oder werbende Männchen.
  • Kloaken der Weibchen öfters kontrollieren (Verletzungen!)
  • Gicht bei falscher Fütterung.

Bei korrekter Haltung eigentlich robuste Tiere.

Zucht und Aufzucht

Die Männchen der Griechischen Landschildkröten sind oft sehr heftige und aufsässige Partner. Schützen Sie beide Geschlechter voreinander mit Sichtschutz und guten Versteckmöglichkeiten im Gehege. Schaffen Sie die Möglichkeit, die Geschlechter zeitweise getrennt zu halten. Kontrollieren Sie die Weibchen öfters auf Verletzungen im Schwanzbereich. Die Eiablage erfolgt ab Mai am wärmsten Platz im Gehege. Störfaktoren wie mangelnde Eiablageplätze, Gehegewechsel, aufsässige Männchen usw. können zu Legenot führen. Sie muss unbedingt durch eine Fachperson abgeklärt werden. Röntgen ist eine dafür geeignete Diagnosetechnik. Unsere Sommertemperaturen genügen meistens nicht, um die notwendige Bebrütungstemperatur aufrecht zu erhalten. Es empfiehlt sich daher, die Eier in einen Brutapparat zu verbringen.


Schlupf einer Griechischen Landschildkröte.
Foto: Stefan Kundert

Nach 54 bis 90 Tagen schlüpfen die Jungtiere. Sie werden schon ab erstem Herbst in den Winterschlaf gebracht. Die Ernährung gestaltet sich wie bei den erwachsenen Tieren: Grünzeug und Heu. Achten Sie auf langsames Wachstum. So vermeiden Sie Höckerbildung und erreichen einen kompakten Panzer. Verzichten Sie auf Fertigfutter. Ab etwa 10 cm Panzerlänge sind die Tiere geschlechtsreif.


Einjähriges Jungtier der Griechischen Landschildkröte. 
Foto: Stefan Kundert

Wichtiges in Kürze

Vorkommen 

Ostrasse: Ex-Jugoslawien, Albanien, Griechenland, Rumänien, Bulgarien
Westrasse: Spanien, Frankreich, Italien, Sardinien, Mallorca, Korsika


Quelle: ETI-Expert Center for Taxonomic Identification, Amsterdam,
CD-ROM "Turtles of the World",

Grösse: 

Gewicht: 1,0 bis 2 kg.
Länge: bis 28 cm.

Besondere Merkmale:

Farbe: gelb-schwarz.
Schwanz: mit Hornnagel, beim Männchen sehr stark ausgebildet.

Bebrütung:

Temperatur: 28° - 31,5°C.
Feuchtigkeit: 80 - 90 %.
Dauer: 54 - 90 Tage.

Ernährung:

Futter: pflanzlich, mit Heu
Wasser: jederzeit frisch

Winterschlaf:

Auch Jungtiere!
Temperatur: 4° - 6° C.
Dauer: 4 - 5 Monate, bei hoher Feuchtigkeit.


Griechische Landschildkröte, Westrasse (Testudo hermanni hermanni).
Foto: Stefan Kundert

Verfasser: Ursula Eggenschwiler, Urs Jost

Weiterführende Informationen zum Thema

Europäische Landschildkröten auf der Website von Stefan Kundert 

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Copyright 2010, SIGS Webmaster: Stefan Kundert

Veranstaltungshinweise:

5. internationales Symposium  Emys orbicularis
12.10.2010 – 16.10.2010
in Orbe (Schweiz)  >>


Section Estromandie:
03.09.2010  20:00
La faune de Cousset.  
Sébastien et Etienne Francey 


Sektion Ostschweiz:
03.09.2010  20:00
Vortrag: Einwintern von Schildkröten  
- 


Sektion Bern:
08.09.2010  19:30
Winterschlaf bei Land- und Wasserschildkröten: Tipps zur Einwinterung  
Sylvia Aebischer und Fritz Wüthrich 


Sektion Zürisee:
11.09.2010  
Vereinsreise der Sektion Zürisee (2 Tage Tessin)  
- 


Sektion Zentralschweiz:
22.09.2010  20:00
Einwintern von Land und Wasser-Schildkröten  
Roger Limacher, Rolf Jost 


IG Schildkrötenfreunde Aargau:
23.09.2010  20:00
Gedanken zur Einwinterung  
Kurt Reist 


Schildkrötenfreunde Schaffhausen-Winterthur SFSW:
23.09.2010  20:00
Fragestunde - kompetente Schildkrötenhalter geben Antwort  
- 


Sektion Zürisee:
24.09.2010  20:00
Stamm/Diskussionsabend  
- 

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