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Die Klappschildkröte
(Kinosternon, Agassiz 1857)
SIGS-Merkblatt Nr. 11
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Ordnung: |
Halsberger (Cryptodira) |
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Familie: |
Schlammschildkröten (Kinosternidae)
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Gattung: |
Klappschildkröte (Kinosternon)
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Die Klappschildkröte (Kinosternon flavescens).
Foto: Ralf Wirtensohn
Die Gattung Kinosternon (Klappschildkröten) umfasst etwa 20 Arten, die in
Nord-, Zentral- und Südamerika beheimatet sind. Die nordamerikanischen Arten sind,
im Gegensatz zu den mittel- und südamerikanischen, relativ ausgiebig erforscht.
Zwei Quergelenke im Bauchpanzer dieser kleinen Schildkröte ermöglichen einen mehr
oder weniger starken Verschluss des Panzers, daher der Name. Diese doch recht unscheinbare
Wasserschildkrötengattung findet man noch eher selten in Gefangenschaft, obwohl
Haltung und Nachzucht als verhältnismässig einfach zu bezeichnen sind.
Artenschutzstatus
Kinosterniden sind im Washingtoner Artenschutzabkommen nicht aufgeführt. Einige
Arten gehören jedoch zu den bedrohten Schildkrötenarten. Die grösste Bedrohung ist
die fortschreitende Zerstörung der Lebensräume durch Urbanisierung und Landwirtschaft.
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Die Gattung Kinosternon bewohnt verschiedene Klimata in Nord-, Mittel- und
Südamerika. Während nordamerikanische Arten eine längere Kälteperiode überdauern
müssen, sind die mittel- und südamerikanischen Arten oft einer längeren Trockenperiode
ausgesetzt. Im Anschluss an diese Ruhephasen erfolgt die Fortpflanzungszeit.
Es ist wichtig, dass die Tiere ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet entsprechend
gehalten werden.
Haltung
Die kleinbleibenden nordamerikanischen Arten können gut in Aquarien gehalten werden.
Die Wassertiefe muss mindestens 20 cm betragen. Das Aquarium wird mit Wurzeln gut
strukturiert, um den Tieren Ausweichmöglichkeiten zu bieten. Die Tiere können sich
gegenseitig leicht stressen. Daher ist gegebenenfalls eine getrennte Haltung notwendig.
Die Beleuchtung darf bescheiden ausfallen. Sie meiden grelles Licht. Die Wassertemperatur
wird auf 22 - 28 °C eingestellt. Ein Filter ersetzt den alle 2 bis 3 Wochen stattfindenden
Wasserwechsel nicht.
Südamerikanische Arten werden ganzjährig bei etwa 25 - 28 °C Wassertemperatur gehalten.
Im Sommer kann man den Tieren bei leicht erhöhten Wassertemperaturen und gesenktem
Wasserstand eine Sommerruhe im Aquarium anbieten. Dies gibt ihnen den Impuls, sich
im Landteil zu vergraben. Mit den Jungtieren ist der gleiche Rhythmus einzuhalten.

Kinosternon scorpioides cruentatum
Foto: Ralf Wirtensohn
Fütterung
Die Kinosterniden sind schlechte Schwimmer und daher nicht in der Lage, gesunde
Fische zu erbeuten.
Auf ihrem Speiseplan stehen:
- Wasser-, Landschnecken (Schnirkelschnecken)
- Wasserinsekten
- Muscheln
- Regenwürmer
- Fische
- nestjunge Mäuse
- Zophobas
- Heuschrecken und andere Insekten
- Rosenkäferlarven
- Mückenlarven (sehr gutes Futter!)
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Rinderherz und Pellets sind ungeeignet. Verzichten Sie darauf! |
Abwechslungsreiche Ernährung ist wichtig. Verfüttern Sie Muscheln und Schnecken
mitsamt der Schale resp. dem Häuschen. Somit erübrigen sich zusätzliche Kalkgaben.
Gefrorene Mückenlarven werden aufgetaut in das Aquarium geschüttet. Sie werden über
einen längeren Zeitraum von den Schildkröten zusammengesucht und bieten damit eine
gute Beschäftigung. Einer Verfettung der Tiere beugen Sie vor, wenn Sie nur 1 bis
2 Mal wöchentlich füttern. Achten Sie unbedingt darauf, dass nicht nur die dominierenden
Tiere zu Futter kommen!
Winterschlaf und Sommerruhe
Nordamerikanische Arten halten einen Winterschlaf. Im jahreszeitlichen Rhythmus
wird die Wassertemperatur gesenkt. Die Tiere werden 8 bis 16 Wochen lang bei 8°
C am besten im Kühlschrank überwintert.
Temperatur: +4 bis + 8 °C
Dauer: 4 - 5 Monate
Nach dem Winterschlaf wird die Temperatur wieder schrittweise erhöht.
Südamerikanische Arten machen im Sommer bei erhöhten Wassertemperaturen und gesenktem
Wasserstand eine Sommerruhe.
Krankheiten
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Panzernekrosen: Bei Tieren aus dem Tierhandel.
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Bissverletzungen: Durch rivalisierende oder werbende Männchen (Schwanz, Beine)
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Starkes Hornwachstum am Schnabel: Wenn zu weiches Futter angeboten wird.
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Parasiten: Der Kot sollte regelmässig auf Parasiten untersucht werden.
Bei korrekter Haltung eigentlich dankbare Tiere.
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Zucht und Aufzucht
Die Männchen sind keine zärtlichen Partner. Nach Sichtkontakt und intensivem Beschnuppern
"überfällt" das Männchen das Weibchen und versucht sich zu paaren. Bei einigen Arten
führt das Männchen pendelnde Kopfbewegungen vor dem Weibchen auf.
Am besten werden die Geschlechtspartner nur zur Paarung zusammengeführt und
ansonsten getrennt gehalten.
Eiablageplatz:
Der Landteil soll etwa 3 mal so lang und 1.5 mal so tief sein wie die Carapaxlänge
des grössten Weibchens.
Eiablage:
Sie erfolgt 3 bis 6 Wochen nach der Paarung. Das Weibchen sucht den gut beleuchteten
Landteil auf, wo es 3 bis 8 Eier legt.
Bebrütung:
- 25 - 30 °C
- 90% Luftfeuchtigkeit
Nach 90 bis 300 Tagen schlüpfen die Jungtiere, die dann in kleine Aquarien verbracht
werden. Die Einrichtung und das Futter entsprechen dem der erwachsenen Tiere, sind
aber der Grösse entsprechend zu reduzieren.
Geschlechtsreife:
Mit 3 - 5 Jahren.
Mit den nordamerikanisch abstammenden Kinosterniden ist mit den Jungtieren schon
ab Schlupfjahr ein Winterschlaf durchzuführen.
Achten Sie auf langsames Wachstum.

Kinosternon bauri, Nachzucht
Foto: Ralf Wirtensohn
Wichtiges in Kürze
Vorkommen
Florida, mittlere
und südliche USA, Oklahoma, Texas, Illinois, Kolumbien, Mexico, Bolivien, Panama,
Argentinien.

Quelle: ETI-Expert Center for Taxonomic Identification, Amsterdam,
CD-ROM "Turtles of the World",
Grösse:
Länge: Nordamerikanische Arten bis 15 cm, südamerikanische Arten bis 27 cm.
Besondere Merkmale:
Farbe: Panzer bräunlich-schwarz, Haut grau bis braun, selten rötliche Kopffarbe.
Schwanz: Beim Männchen stark ausgebildet.
Bebrütung:
Temperatur: 25° - 30°C.
Feuchtigkeit: Mind. 90%.
Dauer: Artabhängig, 90 - 300 Tage.
Ernährung:
Futter: Tierisch, Abwechslung!
Wasser: jederzeit frisch
Winterschlaf:
Nordamerikanische Arten:
Temperatur: 4° - 8° C, im Wasser
Dauer: 2 - 4 Monate
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Bauchansicht Männchen (Kinosternon sp., Mexico)
Fotos: Ralf Wirtensohn |
Bauchansicht Weibchen (Kinosternon sp., Mexico)
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Verfasser: Ralf Wirtensohn
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