Die Spornschildkröte

(Centrochelys sulcata, MILLER 1779)

SIGS-Merkblatt Nr. 14

Ordnung: Halsberger (Cryptodira)
Familie: Landschildkröten (Testudinidae)
Gattung: Centrochelys


Adulte Spornschildkröte.
Foto: Heidi Jost

Die Spornschildkröte gehört neben den Riesenschildkröten der Galapagos-Inseln und dem Aldabra-Archipel zu den grössten Landschildkrötenarten. Sie lebt in der Sahelzone Afrikas, einem der trockensten Gebiete der Erde. In selbst gegrabenen Höhlen von bis drei Metern Tiefe und neun Metern Länge entflieht sie der Tageshitze und kühlen Nächten.

Ihre deutsche Bezeichnung erhielt die Spornschildkröte aufgrund zweier markanten Sporen an ihren Hinterschenkeln. Auffällig sind die paarigen, bei den Männchen besonders ausgeprägten, Kehlschilder, die bei Rivalenkämpfen als Waffe eingesetzt werden. Ihre starken Vordergliedmassen eignen sich besonders gut zum Graben.

Die Vermehrung der Spornschildkröte gelingt in menschlicher Obhut mittlerweile recht häufig. Wegen ihrer Grösse und ihren speziellen Haltungsbedürfnissen wird sie nicht sehr häufig von Privatpersonen gepflegt.

Artenschutzstatus: CITES (Anhang 2)

Die Spornschildkröte lebt in vermeintlich lebensfeindlichen Umgebungen mit jahreszeitlich stark schwankenden Temperaturverhältnissen und grosser Trockenheit. Diesen extremen Bedingungen entfliehen sie durch das Graben langer Höhlen, die auch anderen Tierarten als Schutz dienen. 


Spornschildkröte in ihrem natürlichen Habitat.
Foto: Heidi Jost

Haltung

Ein geräumiges, gut isoliertes Gewächshaus mit einem angrenzenden grosszügigen Freilandgehege sind die beste Voraussetzung für eine artgerechte Haltung. Damit können im Winter im Innegehege die heissen trockenen Monate, im Sommer durch zeitweise Freilandhaltung die kühleren und regenreicheren Monate simuliert wrden. Die Tagestemperaturen sollen 30° C erreichen, lokal unter der Wärmelampe bis 45°C. Nachts ist eine Abkühlung bis auf etwa 20° C notwendig, um die beträchtlichen tageszeitlichen Temperaturunterschiede der Sahelzone zu erreichen. Diese hohen Tagestemperaturen müssen das ganze Jahr hindurch erreicht werden können. Als Bodengrund eignet sich im Innengehege ein Erde-Sandgemisch. Das Aussengehege muss stark besonnte Stellen sowie Schatten- und Versteckplätze aufweisen. Der natürliche Bodengrund wird selbständig abgeweidet. Männchen verhalten sich zeitweise aggressiv und müssen dann von den Weibchen abgetrennt werden können. Die Beharrlichkeit und Kraft der Tiere erfordern eine massive Bauweise der Gehege. Bedenken Sie auch das Handling der bis Zentner schweren Tiere.

Schweizerische Tierschutzverordnung (TSchV):

Spornschildkröten sind gemäss Tierschutzverordnung bewilligungspflichtig und der Halter benötigt einen Sachkundeausweis. Ausserdem bestehen Mindestanforderungen für die Haltung von Spornschildkröten.

Fütterung

Die Spornschildkröte bewohnt in ihrem natürlichen Lebensraum Grasland mit Akazienbewuchs und Buschland. Der Lebensraum hat mit seiner extremen Trockenheit Halbwüstencharakter. Die Vegetation ist äusserst karg. Sie ist nur während wenigen Wochen grün. Während den übrigen Monaten ernährt sich die Spornschildkröte von verdorrten Gräsern, trockenen Blättern und Sukkulenten. Ihr Bestreben, möglichst sämtliches verwertbare Futter zu vertilgen, um für die nahrungsarme Jahreszeit vorzusorgen, kann in Menschenobhut bei ständigem Nahrungsangebot innert Kürze zu Wachstumsstörungen, Krankheit und Tod führen. Trockene, rohfaserreiche Ernährung mit zeitweiligem Angebot von frischen Wiesenkräutern oder Blättern von Laubbäumen ermöglicht ein natürliches Wachstum. Kalzium in Form von unbehandelter Sepiaschale oder Eierschalen ergänzt das Futterangebot. Im Winterhalbjahr, wenn frische Wiesenkräuter nicht zur Verfügung stehen, genügen Heu und Stroh, was gerne und in grossen Mengen verzehrt wird.

Haben Sie gewusst,

  • dass Spornschildkröten die grössten kontinentalen Landschildkröten sind ? 
  • dass nur Galapagos- und Seychellen-Riesenschildkröten grösser werden ?
  • dass es Spornschildkröten von 83 cm Länge und 105 kg gibt ?


Blätter werden mit Wonne verschlungen.
Foto: Stefan Kundert

Vermehrung

Die Paarung kann ganzjährig beobachtet werden. Am intensivsten ist das Sexualverhalten vom November bis März. Die Eiablage erfolgt in zwei bis vier, maximal 6 Gelegen mit je 15 bis 20 runden Eiern. Dies bedeutet im Extremfall eine Gesamteizahl bis 80 Stück pro Jahr.

Krankheiten

  • Eine zu üppige Ernährung führt zu Verfettung und zu Höckerbildung oder Erweichung des Rückenpanzers.
  • Ausschliesslich rohfaserreiche und eiweissarme Fütterung verhindert eine ernährungsbedingte Erkrankung.
  • Aggressives Verhalten dominanter Tiere innerhalb der Gruppe kann ohne zeitweiliges Trennen der einzelnen Tiere zu irreparablen Panzerschäden führen.
  • Die Hornschneiden neigen bei zu weichem Futterangebot zu übermässigem Wachstum.


Kopulation der Kolosse. 
Foto: Heidi Jost

Aufzucht

Bei einer konstanten Bruttemperatur von 31.5° C schlüpfen die Jungtiere nach etwa 90 bis 100 Tagen. Oft weisen die Tiere noch einen relativ grossen Restdotter auf, der aber spätestens nach drei Tagen vollständig eingezogen wird.

Die Haltung und die Ernährung erfolgen unter gleichen Bedingungen wie bei den erwachsenen Tieren. Aufgrund der Grössenunterschiede werden sie aber während mehreren Jahren von den Elterntieren getrennt gehalten. Höckerbildung entsteht durch eiweissreiche Fütterung. Obst verursacht Kolik.


Mit zunehmendem Schlupferfolg wächst auch die Zahl der Schildkrötenhalter,
die korrekte Informationen angewiesen sind.
Foto: Stefan Kundert

Wichtiges in Kürze

Vorkommen:

Äthiopien, Mali, Mauretanien, Niger, Nigeria, Senegal, Sudan, Tschad (Sahelzone)


Quelle: ETI-Expert Center for Taxonomic Identification, Amsterdam,

Grösse:

Gewicht: 60 - 100 kg
Länge: bis 100 cm

Besondere Merkmale:

Haut: gelb-beige, zwei Sporen an den Hinterschenkeln
Panzer: abgeflachte Silhouette, bei Mänchen stark aufgebogene Randschilder, ausgeprägte Kehlschilder

Haltungstemperaturen:

Grundtemperatur tagsüber 30° C
Sonnenbadeplatz bis max. 45° C
Nachts 18° - 20° C

Feuchtigkeit:

Bei Jungtieren ist auf eine erhöhte Luftfeuchtigkeit zu achten.

Ernährung:

Pflanzlich, viel Heu
Wasser 1 x wöchentlich anbieten


Adulte Spornschildkröte.
Foto: Stefan Kundert

Verfasser: Stefan Kundert

Copyright 2014, SIGS (Stefan Kundert)