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Die Rotwangenschmuckschildkröte

(Trachemys scripta elegans, WIED 1839)

SIGS-Merkblatt Nr. 18

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Ordnung: Halsberger (Cryptodira)
Familie:

Sumpfschildkröten (Emydidae)

Gattung: Schmuckschildkröten (Trachemys)


Rotwangenschmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans)
Foto: Stefan Kundert

Die amerikanische Rotwangenschmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) ist die weltweit bekannteste Wasserschildkröte. Die deutsche Bezeichnung verdankt sie ihrem auffallenden roten Wangenstreifen. Keine Schildkröte muss sich wohl derart häufig eine komplette Fehlhaltung gefallen lassen wie sie. Als zwei bis drei Zentimeter grosse, niedliche Schlüpflinge werden sie an Touristenorten zu Spottpreisen auf Märkten und im Zoofachhandel massenweise angeboten. Oft wird den Käufern glaubhaft gemacht, dass diese Tierchen in ihrem spektakulären grün gemusterten Jugendpanzer wirklich so klein bleiben. Überleben die Schildkröten dann tatsächlich die erste Zeit, staunen die Besitzer, dass sie nun plötzlich eine bis 2 kg schwere Schildkröte in ihrem kleinen Terrarium beherbergen ...

Rotwangenschmuckschildkröten leben ursprünglich im südöstlichen Nordamerika. Dort leben sie in Gebieten mit immerfeuchtem Klima mit heissem Sommer und mässig kaltem Winter. Sie besiedeln stillere, langsam fliessende Süssgewässer ebenso wie große Seen mit schlammigem Untergrund. Sie sind ausgiebige Sonnenanbeter und machen sich auf schwimmendem Holz die besten Plätze streitig.

Artenschutzstatus

Im Washingtoner Artenschutzabkommen nicht erwähnt. Import nach Deutschland untersagt, in der Schweiz keine Einschränkungen.

Haltung

Für erwachsene Rotwangenschmuckschildkröten ist im Sommer eine Aussenhaltung unbedingt anzustreben. Die Anlage soll ausbruchsicher eingezäunt werden. Die Tiere werden im Herbst herausgefangen und kontrolliert in Innenräumen in den Winterschlaf gebracht. In kühleren Monaten hält man sie in je nach Grösse des Bestandes in genügend grossen, reich strukturierten Aquarien. Die Wassertiefe kann bis 50 cm betragen. Ein Landteil soll über Wurzeln oder Korkeichenrinden gut zu erreichen sein. HQI-, HQL- oder MLR-Lampen müssen am Sonnenplatz 40° C erreichen, um dem Sonnenhunger der Tiere gerecht zu werden. Die Wassertemperatur soll zwischen 20° und 26°C liegen. Trotz einer leistungsfähigen Filteranlage ist ein regelmässiger Wasserwechsel unumgänglich. Der Landteil soll einen Eiablageplatz aufweisen.


Die roten Wangen sind gut sichtbar.
Foto: Urs Jost

Ernährung

Jungtiere:

Das Futterangebot muss unbedingt abwechslungsreich sein. Geeignet sind:

  • Mückenlarven
  • Wasserflöhe
  • Regenwürmer
  • Ganze, kleine Fische
  • Insekten aller Art.

Die Menge ist so bemessen, dass die täglich mehrmals angebotenen Portionen innert Kürze gegessen werden.

Erwachsene:

Mit zunehmendem Alter ernähren sie sich in der Natur pflanzlich, was auch in menschlicher Obhut anzustreben ist. Es darf ihnen aber ein paar Mal wöchentlich Ähnliches wie den Jungtieren angeboten werden.

Kein Rinderherz, Hunde- oder Katzenfutter.

Haben Sie gewusst,

  • dass Rotwangenschmuckschildkröten bis 85 Jahre alt werden können?
  • dass jährlich mehrere 100'000 dieser Tiere aus der USA nach Europa und Asien exportiert werden?
  • dass sie in der Schweiz immer wieder illegal ausgesetzt werden und dadurch die einheimische Fauna gefährden?
  • dass die SIGS Auffangstationen betreibt, wo ausgesetzte oder nicht mehr erwünschte Tiere betreut werden?


Beim Paarungsspiel.
Foto: Urs Jost


Die langen Krallen unterstützen das
Imponiergehabe der Männchen.
Foto: Ursula Eggenschwiler

Vermehrung

Rivalisierende Männchen können sich Bisswunden zufügen. Mit ihren langen Krallen an den Vorderfüssen umwerben sie, um deren Kopf paddelnd, die Weibchen. Die Kopulation erfolgt nur in genügend tiefem Wasser. Zwei bis vier Wochen später erfolgt die Eiablage. Vier bis maximal 20 weichschalige Eier werden im Landteil vergraben. Die Bebrütung der in feuchtem Vermiculite-, Perlit- oder Seramis eingegrabenen Eier erfolgt in einem geeigneten Inkubator. Bei Temperaturen zwischen 28° und 31° C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 80 bis 95% schlüpfen die hübschen knallgrün gefärbten Jungtiere nach 60 bis 90 Tagen.

Aufzucht

Die Jungtiere werden in genügend grossen Aquarien gehalten. Sie brauchen ein Maximum an natürlichem Sonnenlicht. Sie müssen bei sonnigem, warmem Wetter dringend an einem windgeschützten Platz draussen sonnenbaden können. Der Aufenthalt hinter Glasscheiben verhindert eine optimale Entwicklung. Die Jungtiere müssen schon ab Schlupfjahr in den Winterschlaf gebracht werden. Die Zeitdauer dafür entspricht der der grösseren Tiere.


Schlüpfling - im leider verführerischen grünen Kostum.
Foto: Urs Jost

Fünffrankenstück gross werden die Schlüpflinge in unvorstellbar grossen Mengen weltweit in den Handel gebracht. Häufig werden sie in Touristenorten zu Spottpreisen inklusive Plastikwännchen mit Plastikpalmen an naive Touristen mit der Beteuerung verkauft, dass die Schildkrötchen bestimmt nicht mehr grösser würden.

Man findet Rotwangenschmuckschildkröten inzwischen auch in mitteleuropäischen Gewässern: Ausgesetzte Tiere, die den Besitzern zu gross und umständlich wurden und so einfach "entsorgt" wurden. Sie können dort wegen räuberischem Verhalten oder Übertragung von Krankheiten zu einer ernsthaften Bedrohung der einheimischen Fauna werden.


Portrait einer Rotwangenschmuckschildkröte
Foto: Stefan Kundert

Haben Sie gewusst,

  • dass Rotwangenschmuckschildkröten bis 85 Jahre alt werden können?
  • dass frisch geschlüpfte Rotwangenschmuckschildkröten 2 cm lang sind, innert weniger Jahre aber 28 cm erreichen können?
  • Amerika jährlich über 100'000 Rotwangenschmuckschildkröten nach Europa exportiert?
  • dass fast alle Schildkrötenauffangstationen bei der SIGS vor allem wegen leichtsinnig erworbener Rotwangenschmuckschildkröten errichtet werden mussten?
  • dass diese Stationen von den gross gewordenen Rotwangenschmuckschildkröten überschwemmt werden?

Wichtiges in Kürze

Vorkommen:

NO-Mexiko, östliche und südöstliche USA


Quelle: ETI-Expert Center for Taxonomic Identification, Amsterdam,
CD-ROM "Turtles of the World"

Grösse:

Gewicht: bis 2 kg
Länge: bis 28 cm 

Besondere Merkmale:

Kopf: rote Wangenstreifen
Krallen: Bei Männchen vorne lang
Panzer: Flach, Erwachsene braun, Jungtiere leuchtend grün

Ernährung:

Jungtiere: Vorwiegend tierisch
Erwachsene: Vermehrt pflanzlich

Bebrütung:

Temperatur: 28° bis 32° C
Feuchtigkeit: 80 bis 95%
Dauer: 60 bis 80 Tage

Winterschlaf:

Temperatur: +4° bis +6° C
Dauer: 3 bis 5 Monate
Beachten: Auch Jungtiere!


Bauchansicht Männchen
Fotos: Ursula Eggenschwiler


Bauchansicht Weibchen


Foto: Stefan Kundert

Verfasser: Bruno Bächtiger, Urs Jost

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Copyright 2010, SIGS Webmaster: Stefan Kundert

Veranstaltungshinweis:

5. internationales Symposium  Emys orbicularis
12.10.2010 – 16.10.2010
in Orbe (Schweiz)  >>