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Die Zacken-Erdschildkröte

(Geoemyda spengleri, GMELIN 1789)

SIGS-Merkblatt Nr. 2

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Ordnung: Halsberger (Cryptodira)
Familie: Sumpfschildkröten (Emydidae)
Gattung: Zacken-Erdschildkröte (Geoemyda)


Portrait einer männlichen Zacken-Erdschildkröte.
Foto: Stefan Kundert

Die Zacken-Erdschildkröte ist eine der charmantesten Schildkröten. Sie gehört zu den kleinsten asiatischen Sumpfschildkrötenarten. Dieses grazile Reptil wird kaum länger als 13 cm. Der flache, gezackte und dreikielige Rückenpanzer erinnert an ein getrocknetes Blatt, was seiner erdbezogenen, versteckten Lebensweise entspricht. Die Nachzucht in der Gefangenschaft gehört noch zu den selteneren Ereignissen, gelingt aber doch da und dort schon regelmässig.

Artenschutzstatus

Sumpfschildkröten sind im Washingtoner Artenschutzabkommen nicht aufgeführt. Die Zacken-Erdschildkröte gehört jedoch mit zu den bedrohten Schildkrötenarten. Durch ihre für kulinarische Zwecke uninteressante geringe Grösse kann ihr der unstillbare Hunger der Chinesen zwar nichts anhaben, doch ist sie durch die unaufhaltsame Urbanisierung arg in Bedrängnis geraten.

Die Zacken-Erdschildkröte stammt aus Vietnam und dem südlichen China. Sie lebt in Nebelregionen mit warmgemässigtem Regenklima. Die jährliche Niederschlagsmengen betragen dort 1500 - 2700 mm jährlich (im Vergleich: Zürich 64 - 143 mm). In ihrem natürlichen Lebensraum hält sie vom November bis Februar eine Winterruhe bei Temperaturen zwischen 5° und 15° C. In ihrem Herkunftsgebiet fallen die Temperaturen selten unter den Gefrierpunkt.

Haben Sie gewusst:

  • dass diese Tiere sehr wählerische Fresser sein können ?
  • dass ihnen sich bewegendes Lebendfutter angeboten werden sollte, um ihrem Jagdinstinkt gerecht zu werden?
  • dass es Zacken-Erdschildkröten mit hellblauen Augen (Regenbogenhaut) gibt ?dass hartnäckige Futterverweigerer mit Babymäusen angefüttert werden können? 

Haltung

Die Zacken-Erdschildkröte kann gut im Terrarium gehalten werden. Sie braucht eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Um dem gerecht zu werden, eignet sich der Einsatz eines Ultraverneblers, der vorzugsweise in den Abendstunden angestellt wird.

Gute Versteckmöglichkeiten, wie zum Beispiel hochliegende Rindenstücke oder Wurzeln, werden geschätzt. Für jedes Tier soll eine eigene Behausung zur Verfügung stehen. Als Bodengrund eignen sich Rindenkompost oder Laubwalderde. Dieses Substrat muss stets feucht gehalten werden. Das Terrarium kann gut mit Pflanzen strukturiert werden.

Eine Wasserschale mit frischem Wasser soll jederzeit zur Verfügung stehen. Es genügt ein Wasserstand von einigen Zentimetern Höhe.

Eine Beleuchtung, die ein Pflanzenwachstum garantiert, ist ausreichend. Zu grelles Licht wird von den Tieren gemieden. 40 Watt Reflektorglühlampen genügen als zusätzliche Lichtquelle. Steht das Terrarium in einem normal beheizten Zimmer, braucht es bei 18° bis 24° C keine zusätzliche Wärmequelle. Temperaturen über 30° C führen zu lethargischen Tieren.

Manche Männchen gebaren sich total paarungswütig, wodurch die Weibchen nicht mehr zur Ruhe kommen. Deshalb sind solche Männchen separat zu halten.


Weibliches Tier mit besonders schöner Zeichnung. 
Foto: Stefan Kundert

Fütterung

Die agilen Zacken-Erdschildkröten sind gute Jäger und ernähren sich vorwiegend tierisch. Auf ihrem Speiseplan stehen:

  • Regenwürmer
  • Gehäuse, Nacktschnecken
  • Grillen, Heimchen
  • Heuschrecken
  • Kellerasseln
  • Schwarzkäferlarven (Zophobas)
  • Wachsmotten
  • Nestjunge Mäuse
  • Rosenkäferlarven

Ideal ist selbst gesammeltes Futter aus nicht mit Schadstoffen oder Düngemitteln belastetem Boden. Es genügt, wenn das Futter ein- bis zweimal wöchentlich angeboten wird. Zusätzliche Vitamin- und Kalkgaben erübrigen sich, wenn "frisch" ab Natur gefüttert werden kann, resp. die Futtertiere selbst direkt aus ihrem Lebensraum entnommen werden können.

Um dem Jagdverhalten der Tiere gerecht zu werden, können die Futtertiere einzeln und lebend ab Pinzette vefüttert werden. Futterschalen oder feste Futterstellen sollten nicht eingerichtet werden, damit die Tiere einen Antrieb haben, das Terrarium abzusuchen und damit vermehrt Bewegung haben.

Krankheiten

  • Die meisten Tiere aus dem Handel sind von Hexamiten befallen (parasitäre, einzellige Geisseltierchen), die zum Tode führen können.
  • Bei Tieren, die wegen Hexamiten behandelt wurden, sind 2x jährlich Nachkontrollen durchzuführen (Kot und Harn untersuchen!)
  • Bei zu trockener Umgebung leiden die Tiere unter Augen- und  Hautproblemen.

Winterschlaf

In der Natur hält die Zacken-Erdschildkröte einen Winterschlaf. Dieser ist bei uns bei 8° - 12° C zu simulieren und soll 2 Monate dauern. Die Beleuchtungsintensität und -dauer sind zu senken. Bei günstig ausgewähltem Standort des Terrariums können die Tiere in ihrer vertrauten Umgebung belassen werden. Mit den Jungtieren ist ähnlich zu verfahren.


Ein Männchen beim Wasserbad.
Foto: Stefan Kundert

Zucht und Aufzucht

Die Zucht von Geoemyda spengleri ist aussichtsreicher, wenn die Männchen und die Weibchen die meiste Zeit getrennt gehalten werden. Die Paarung findet etwa 14 Tage nach dem Winterschlaf statt. Die Weibchen können mehrmals pro Jahr 1 bis 2 Jahre ablegen. Oft werden die Eier in die Versteckplätze abgelegt. Die Eier sind hartschalig und längsoval. Die Inkubation erfolgt bei 25° C in feuchtem Substrat. Eine hohe Feuchtigkeit soll gewährleistet sein. 

Nach 65 bis 110 Tagen schlüpfen die 3 Gramm schweren Jungen. Sie werden in Aufzuchtterrarien mit feuchtem Substrat, zum Beispiel Rindenmulch, gehalten. Sie können genau gleich wie die adulten Tiere gefüttert werden.

Wichtiges in Kürze

Vorkommen: 

China, Vietnam, evtl. Borneo, Sumatra


Quelle: ETI-Expert Center for Taxonomic Identification, Amsterdam,
CD-ROM "Turtles of the World",

Grösse: 

Gewicht: bis max. 200 Gramm
Länge: bis 13 cmBesondere Merkmale:Farbe: Panzer ocker, Haut olivbraun

Schwanz: Beim Männchen besonders stark ausgebildet.

Bebrütung:

Temperatur: 25° - 26° C
Feuchtigkeit: mind. 90%
Dauer: 65 - 110 TageErnährung:

Futter:

vorwiegend tierisch
Wasser: jederzeit frisch

Winterschlaf:

auch Jungtiere
Temperatur: 10° C
Dauer: 2 Monate bei hoher FeuchtigkeitVerfasser: Ralf Wirtensohn

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Copyright 2010, SIGS Webmaster: Stefan Kundert

Veranstaltungshinweise:

5. internationales Symposium  Emys orbicularis
12.10.2010 – 16.10.2010
in Orbe (Schweiz)  >>


Section Estromandie:
03.09.2010  20:00
La faune de Cousset.  
Sébastien et Etienne Francey 


Sektion Ostschweiz:
03.09.2010  20:00
Vortrag: Einwintern von Schildkröten  
- 


Sektion Bern:
08.09.2010  19:30
Winterschlaf bei Land- und Wasserschildkröten: Tipps zur Einwinterung  
Sylvia Aebischer und Fritz Wüthrich 


Sektion Zürisee:
11.09.2010  
Vereinsreise der Sektion Zürisee (2 Tage Tessin)  
- 


Sektion Zentralschweiz:
22.09.2010  20:00
Einwintern von Land und Wasser-Schildkröten  
Roger Limacher, Rolf Jost 


IG Schildkrötenfreunde Aargau:
23.09.2010  20:00
Gedanken zur Einwinterung  
Kurt Reist 


Schildkrötenfreunde Schaffhausen-Winterthur SFSW:
23.09.2010  20:00
Fragestunde - kompetente Schildkrötenhalter geben Antwort  
- 


Sektion Zürisee:
24.09.2010  20:00
Stamm/Diskussionsabend  
- 

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