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Die Maurische Landschildkröte
(Testudo graeca, LINNAEUS, 1758)
SIGS-Merkblatt Nr. 4
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Ordnung: |
Halsberger (Cryptodira) |
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Familie: |
Landschildkröten (Testudinidae)
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Gattung: |
Europäische Landschildkröten (Testudo)
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Maurische Landschildkröte (Testudo graeca ibera).
Foto: Stefan Kundert
Die Maurische Landschildkröte (Testudo graeca) ist neben der Griechischen
Landschildkröte (Testuo hermanni) in der Schweiz eine der am häufigsten gehaltenen
Landschildkröten. Ihre lateinische Bezeichnung führt oft zur irrigen Annahme, es
handle sich um die "griechische". Die Farbe des Rückenpanzers variiert von fast
olivgrün bis leicht orange-braun. Die Zeichnung kann auffallend schwarz-gelb oder
auch fast einheitlich dunkelbraun sein. Die Zentren der Rückenschilde sind meist
dunkel. Ganz charakteristisch sind die beiden Hornkegel beidseits der Hinterseite
der Oberschenkel. Das Schwanzende ist rundlich und ohne Hornnagel. Die Randschilde
wölben sich bei älteren Tieren grosszügig nach aussen.
Artenschutzstatus
Liste 2 des Washingtoner Artenschutzabkommens.
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Die Maurische Landschildkröte (Testudo graeca) lebt in warmgemässigtem, mediterranem
Klima. Sie wurde vor allem in den achtziger Jahren massenhaft in mitteleuropäische
Länder importiert. Ende der achtziger Jahre nahm der Handel etwas ab, nachdem Tausende
von Tieren an Herpes (hochansteckendes Virus) verendeten. Maurische Landschildkröten
sind sehr wärmebedürftig.

Lebensraum der Maurischen Landschildkröte in Griechenland.
Foto: Stefan Kundert
Haltung
Im Sommer kann die Maurische Landschildkröte der Unterart Testudo graeca ibera im
Freiland gehalten werden. Wir müssen ihr geeignete Infrastrukturen anbieten, damit
sie tagsüber ihre Vorzugskörpertemperatur von 34 °C erreichen kann. Dies unterstützen
wir mit einem Treibhaus oder ähnlichem.
In den Übergangszeiten soll ihnen eine zusätzlich Wärmequelle zur Verfügung stehen.
Tiere aus südlicheren Gebieten sind sehr empfindlich und daher nicht für die Haltung
zu empfehlen.
Das Schildkrötengehege wird im sonnigsten Teil ihres Gartens grosszügig angelegt.
Strukturieren Sie es mit Erdhügeln und Buschwerk aller Art. Die Tiere brauchen Versteckmöglichkeiten
und einen geschützten Platz zum Sonnenbaden. Die Umzäunung muss sicher sein und
darf keine Klettermöglichkeiten bieten. Halten Sie die Maurischen Landschildkröten
von allen anderen Schildkrötenarten getrennt.
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Maurische Landschildkröten sind sehr wärmebedürftig. Sie sind Pflanzenfresser und
dürfen auch ruhig karges Futter erhalten, wie es in ihren Ursprungsländern im Sommer
auch der Fall ist.In ihrer Heimat halten die Tiere zum Teil eine Sommerruhe. In
ihren Verstecken überbrücken sie die heissen und trockenen Zeiten.
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Ein relativ hell gefärbtes, jüngeres Weibchen der Maurischen Landschildkröte
(Testudo graeca ibera) im Osten Griechenlands.
Foto: Stefan Kundert
Fütterung
Beobachtungen in der Natur und der Aufbau des Magen-Darmtraktes bestätigen, dass
Maurische Landschildkröten Pflanzenfresser sind. Sie äsen auf Magerwiesen und suchen
sich Kräuter. In den heissen Sommermonaten ist die Vegetation sehr karg. Diesem
saisonalen Ablauf soll Rechnung getragen werden, wenn wir ein andauerndes Überfüttern
unserer Pfleglinge vermeiden wollen.
Jungtiere: Sie sind gleich wie die erwachsenen zu füttern. Achten Sie auf ein langsames
Wachstum.
Katzen oder Hundefutter jeglicher Art ist zu fett- und eiweissreich. Es führt zu
unnatürlichem Wachstum, Verfettung und Organschäden. Verzichten Sie darauf!
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Achtung:
In Gefangenschaft nehmen die Tiere auch nichtartgerechtes Futter zu sich, was auf
die Dauer lebensbedrohende Schäden anrichten kann. Teigwaren, Haferflocken, Obst
oder Milchbrocken gehören nicht auf den Speiseplan. Das im Fachhandel angebotene
Fertigfutter, zum Beispiel Pellets, widerspricht dem natürlichen Bedürfnis der Tiere
und ist meist zu eiweissreich. Heu ist eine ideale Ergänzung. Eine möglichst natürliche
Fütterung macht zusätzliche Vitamingaben überflüssig.
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Winterschlaf
Die Maurischen Landschildkröten aus dem asiatischen Teil halten einen Winterschlaf.
Beobachten Sie Ihre Tiere im Herbst noch eingehender als sonst, denn kranke Tiere
dürfen keinen Winterschlaf halten. Die Tiere aus Nordafrika halten eine reduzierte
Winterruhe. Die Futteraufnahme wird eingestellt, Temperatur und Licht werden reduziert.
Überwinterung:
- Freiland (Vorsicht: Temperaturschwankungen!)
- Kühler, dunkler Innenraum
- Kühlschrank
Achten Sie auf eine genügend hohe Substratfeuchtigkeit!
Jungtiere:
Sie halten ab ihrem ersten Lebensjahr einen Winterschlaf.
Temperatur:
+ 4° bis + 6°C
Dauer:
3 - 5 Monate
Krankheiten
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Zu kühle Haltung führt häufig zu therapieresistentem Nasenausfluss.
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Viele Maurische Landschildkröten sind klinisch unauffällige Träger von Herpesvieren.
Wenn sie andere Schildkröten anstecken, kann es sehr schnell zu einem seuchenartigen
Verlauf mit Todesfällen kommen.
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Vor allem Jungtiere aus südlichen Verbreitungsgebieten können bei zu kühler Haltung
Ohrabszesse bilden.
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Merkmale der Maurischen Landschildkröte: Fehlender Hornnagel beim
Schwanz, deutliche Hornkegel seitlich des Schwanzes. Zwei Zecken haften
am Hinterteil des Tieres.
Foto: Stefan Kundert
Zucht und Aufzucht
Männchen können sich gegenseitig arg bedrohen und sollten, wenn nötig, getrennt
gehalten werden können. Eine paarweise Haltung kann in guter Harmonie erfolgen.
Eiablage:
Schaffen Sie im Freilandgehege für die Weibchen die Möglichkeit, im sonnigsten,
wärmsten Teil die Eiablageplätze zu graben. Nach erfolgter Ablage von meist 6 bis
8 Eiern baggern die Weibchen mit den Hinterbeinen die Grube wieder fein säuberlich
zu. In unserem Klima gelingt es meist nicht, Naturbruten zu erhalten. Die Eier werden
daher in Brutapparaten ausgebrütet. Bedenken Sie, dass die Eier, wie alle Reptilieneier,
in ihrer Lage möglichst unverändert bleiben sollen (im Gegensatz zu Vogeleiern).
Schlupf:
Nach 60 bis 90 Tagen befreien sich die Schlüpflinge aus ihrer runden Wiege. Mit
der Eischwiele am Oberkiefer schaben sie die Eischale auf und drücken sie mit ihrem
im Baupanzer noch quergefalteten Körper auseinander. Dieser Vorgang kann bis zu
2 Tage dauern. Der Eidotter sollte beim Schlupf ganz in die Bauchhöhle eingezogen
sein. Er versorgt das Jungtier während der nächsten Monate mit hochwertigen Nährstoffen.
Schlüpflinge:
Sie werden wie die erwachsenen Tiere gefüttert. Das Wachstum soll langsam vorangehen.
Das Geburtsgewicht kann nach einem Jahr verdoppelt sein.

Die Maurischen Landschildkröten bewohnen oft sehr trockene und heisse Habitate.
Foto: Stefan Kundert
Wichtiges in Kürze
Vorkommen
Vom Kaspischen Meer bis nach Südspanien und Marokko, Algerien
und Tunesien.
Die bei uns am häufigsten gehaltenen Maurischen Landschildkröten stammen aus
der Türkei. Tiere aus südlicheren Herkunftsgebieten sind wesentlich heikler und
gehören nicht in Gefangenschaftshaltung. Lassen Sie Ihre Unterart von einem Kenner
bestimmen.

Quelle: ETI-Expert Center for Taxonomic Identification, Amsterdam,
CD-ROM "Turtles of the World",
Grösse:
Gewicht: bis 2.8 kg.
Länge: bis 32 cm.
Besondere Merkmale:
Oberschenkel: deutlicher Hornkegel seitlich des Schwanzes.
Schwanz: ohne Hornnagel
Bebrütung:
Temperatur: 28° - 31,5°C.
Feuchtigkeit: 80 - 90 %.
Dauer: 60 - 90 Tage.
Ernährung:
Futter: pflanzlich, mit Heu
Wasser: immer anbieten.
Unterarten:
- Testudo graeca ibera
- Testudo graeca zarudny
- Testudo graeca terrestris
- Testudo graeca armeniaca
- Testudo graeca anamurensis
- Testudo graeca nikolski
- Testudo graeca graeca
Winterschlaf:
auch Jungtiere!
Temperatur: 4° - 6° C.
Dauer: 3 - 5 Monate
Verfasser: Ursula Eggenschwiler
Schildkröten aus Nordafrika

Verkauf von Schildkrötenpanzern auf einem Marktplatz auf Tunesien.
Die auf den nordafrikanischen Märkten angebotenen Landschildkröten stellen sehr
hohe Anforderungen an die Haltung. Werden sie wie die mediterranen Landschildkröten
gehalten, haben sie keine Ueberlebenschance. Wenn überhaupt, sollten sie nur von
erfahrenen Haltern, die über das nötige Fachwissen und die entsprechende Infrastruktur
verfügen, gepflegt werden.
Alle Landschildkröten sind im CITES Anhang II gelistet und dürfen ohne die nötigen
Papiere weder aus- noch eingeführt werden. Kaufen Sie auf keinen Fall Schildkröten
aus den nordafrikanischen Märkten und weisen Sie bitte auch Bekannte darauf hin.
Für jede verkaufte Schildkröte wird mindestens eine weitere der Natur entnommen.
Dies gilt auch für Präparate aus Schildkröten wie lackierte Schildkrötenpanzer etc.
Bei Problemen mit Landschildkröten aus Nordafrika wenden Sie sich bitte an:
Urs Jost
Dörfli 7
CH-6212 St. Erhard
E-Mail: ursh.jost@bluewin.ch
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