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Die Breitrandschildkröte

(Testudo marginata, SCHOEPFE 1792)

SIGS-Merkblatt Nr. 8

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Ordnung: Halsberger (Cryptodira)
Familie: Landschildkröten (Testudinidae)
Gattung: Europäische Landschildkröten (Testudo)


Breitrandschildkröte (Testudo marginata)
Foto: Stefan Kundert

Die Breitrandschildkröte (Testudo marginata) gehört zu den grössten Europäischen Landschildkröten. Die Schilder des Rückenpanzers können bei erwachsenen Tieren gelbe Dreiecke zeigen. Es gibt auch fast einfarbig dunkelbraun bis schwarz gefärbte Tiere. Die Randschilde wölben sich bei erwachsenen Tieren auffallend stark nach aussen, was ihren Namen erklärt. Die körpernahe Haut ist weich, zart beschuppt und crèmefarbig, bei den Jungtieren ist sie gelb. Das Schwanzende ist eher spitz auslaufend und ohne Hornnagel. Ältere Tiere haben in der Aufsicht eine längliche Form, die sogar tailliert erscheinen kann. Die sich ausweitende Agrikultur verdrängt die Tiere aus ihren sonst schon kleinen Vorkommensgebieten in ungeeignetere, voneinander abgetrennte Lebensräume.


Eine Breitrandschildkröte (Testudo marginata) bei der Nahrungsaufnahme
in ihrem natürlichen Habitat.
Foto: Stefan Kundert

Artenschutzstatus

Liste 2 des Washingtoner Artenschutzabkommens, unterliegt aber in den Ursprungsländern einem strikten Ausfuhrverbot.


Lebensraum der Breitrandschildkröte in Griechenland.
Foto: Stefan Kundert

Die Breitrandschildkröte (Testudo marginata) lebt in warmgemässigtem, mediterranem Klima. Sie lebt eher in bergigen Regionen in buschigem, steinigem Hügelland in Griechenland und auf Sardinien. Breitrandschildkröten sind sehr wärmebedürftig. Sie machen einen Winterschlaf.


Typischer Fundort von Breitrandschildkröten: Buschwerk mit angrenzender
Futterwiese.
Foto: Stefan Kundert

Haltung

Im Sommer muss die Breitrandschildkröte im Freiland gehalten werden. Wir müssen ihr geeignete Infrastrukturen anbieten, damit sie tagsüber ihre Vorzugskörpertemperatur von fast 35 °C erreichen kann. Dies unterstützen wir mit einem Treibhaus oder ähnlichem.

In den Übergangszeiten soll ihr ausreichende Wärme garantiert sein. Breitrandschildkröten sind deutlich wärmebedürftiger als Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni).

Jungtiere brauchen eine deutlich feuchter gehaltene Umgebung als erwachsene. Das Schildkrötengehege wird im sonnigsten Teil des Gartens grosszügig angelegt. Strukturieren Sie es mit Erdhügeln, Steinbrocken und derbem Buschwerk aller Art. Die Tiere schätzen Versteckmöglichkeiten und einen geschützten Platz zum Sonnenbaden. Die Umzäunung muss sicher sein und darf keine Klettermöglichkeiten bieten. Breitrandschildkröten sollten nicht mit anderen Arten zusammen gehalten werden.

  • Breitrandschildkröten sind sehr wärmebedürftig.

  • Sie sind Pflanzenfresser und sollen ruhig auch karges Futter erhalten, wie es in
    ihren Ursprungsländern im Sommer auch der Fall ist.

  • In ihrer Heimat halten die Tiere zum Teil eine Sommerruhe. In ihren Verstecken
    überbrücken sie die heissen und trockenen Zeiten.


Ein Jungtier der Breitrandschildkröte in ihrem Lebensraum.
Foto: Stefan Kundert

Fütterung

Breitrandschildkröten sind Pflanzenfresser. Sie äsen auf Magerwiesen und suchen sich Kräuter. In den heissen Sommermonaten ist die Vegetation sehr karg. Diesem saisonalen Ablauf soll Rechnung getragen werden, wenn wir ein andauerndes Überfüttern unserer Pfleglinge vermeiden wollen.

  • Gras und Kräuter
  • Disteln, Heu.

Jungtiere:

Sie sind grundsätzlich gleich wie die erwachsenen Tiere zu füttern. Achten Sie auf ein langsames Wachstum. Junge Breitrandschildkröten gelten als sehr verfressen, nach dem Motto "Es hat, so lange es hat". Daher müssen wir zurückhaltend füttern. Am besten gedeihen sie, wenn wir sie nicht auf begrüntem Boden halten, sondern auf eher steinigem, kargem, aber feuchtem Terrain. Somit werden sie zur Futtersuche gezwungen.

Teigwaren, Haferflocken, Obst oder Milchbrocken gehören nicht auf den Speiseplan.

Heu ist eine ideale Ergänzung. Eine möglichst natürliche Fütterung macht zusätzliche Vitamingaben überflüssig. Frisches Wasser gehört jederzeit ins Angebot. Zu schnelles Wachstum, zusammen mit zu trockener Haltung, führt zu aussergewöhnlich unförmigen Tieren.


Die ausladenden Randschilder des Rückenpanzers geben der Breitrand-
schildkröte ihren deutschen Namen.
Foto: Stefan Kundert

Winterschlaf

Die Breitrandschildkröten halten einen Winterschlaf. Beobachten Sie Ihre Tiere im Herbst noch eingehender als sonst, denn kranke Tiere dürfen keinen Winterschlaf halten. Die Futteraufnahme wird im Herbst eingestellt. Sinkende Temperaturen und weniger Licht leiten den hormonell gesteuerten Winterschlaf ein.

Überwinterung:

  • Freiland (Vorsicht: Temperaturschwankungen!)
  • Kühler, dunkler Innenraum
  • Kühlschrank

Achten Sie auf eine genügend hohe Substratfeuchtigkeit!

Jungtiere:

Sie halten ab ihrem ersten Lebensjahr einen Winterschlaf.

Temperatur:

 + 4° bis + 6°C

Dauer:

 3 - 5 Monate

Krankheiten

  • Zu kühle Haltung führt häufig zu chronischem Nasenausfluss, der nicht mit Antibiotika zu beeinflussen ist.

  • Breitrandschildkröten sind anfällig für Herpesviren.

  • Diese Tiere gefährden alle anderen Tiere in höchstem Masse. (Herpesträger können via Blutuntersuchung erkannt werden).

  • Im Körper streuende Abszessbildung nach Hautverletzungen (z. B. Bissverletzungen von Männchen).


Typischer Lebensraum der Breitrandschildkröte auf Sardinien.
Foto: Stefan Kundert

Zucht und Aufzucht

Männchen können hartnäckige Brautwerber sein und die Weibchen ernsthaft verletzen. Richten Sie Abtrennmöglichkeiten ein!

Eiablage:

Errichten Sie im Freilandgehege im sonnigsten, wärmsten Teil in Form von Hügeln die Eiablageplätze. Nach der Ablage von 8 bis 10 Eiern schaufeln die Weibchen mit den Hinterbeinen die Grube wieder fein säuberlich zu.

In unserem Klima gelingt es meist nicht, Naturbruten erfolgreich zu Ende zu führen. Die Eier werden daher in Brutapparaten ausgebrütet. Bedenken Sie, dass die Eier, wie alle Reptilieneier, in ihrer Lage möglichst unverändert bleiben sollen.

Schlupf:

Nach 60 bis 90 Tagen befreien sich die Schlüpflinge aus ihrer runden Wiege. Mit der Eischwiele am Oberkiefer schaben sie die Eischale auf und drücken sie mit ihrem im Bauchpanzer noch quergefalteten Körper auseinander. Dieser Vorgang kann bis zu 2 Tage dauern. Der Eidotter sollte beim Schlupf ganz in die Bauchhöhle eingezogen sein. Er versorgt das Jungtier während der nächsten Monate mit Nährstoffen.

Schlüpflinge:

Sie werden wie die erwachsenen Tiere gefüttert. Das Wachstum soll langsam vorangehen. Das Geburtsgewicht kann nach einem Jahr verdoppelt sein. Schlüpflinge und Jungtiere brauchen eine hohe Umgebungsfeuchtigkeit.


Jungtier der Breitrandschildkröte (Testudo marginata).
Foto: Stefan Kundert

Wichtiges in Kürze

Vorkommen 

Griechenland, vom Olymp nach Süden und auf einigen kleinen Inseln, Sardinien (wahrscheinlich durch Menschen eingeführt).


Quelle: ETI-Expert Center for Taxonomic Identification, Amsterdam,
CD-ROM "Turtles of the World",

Grösse: 

Gewicht: bis 3.5 kg.
Länge: bis 32 cm.

Besondere Merkmale:

Haut: Körpernah fein.
Schwanz: ohne Hornnagel
Panzer: Weitausladende Randschilder.

Bebrütung:

Temperatur: 28° - 31,5°C.
Feuchtigkeit: 65 - 90 %.
Dauer: 60 - 90 Tage.

Ernährung:

Futter: pflanzlich, mit Heu
Wasser: immer anbieten.

Winterschlaf:

auch Jungtiere!
Temperatur: 4° - 6° C.
Dauer: 3 - 5 Monate


Ein sehr altes Männchen der Breitrandschildkröte (Testudo marginata). Auf
der Seite sind verheilte Brandverletzungen zu sehen (helle Flecken).
Foto: Stefan Kundert

Verfasser: Ursula Eggenschwiler

Weiterführende Informationen zum Thema

Europäische Landschildkröten auf der Website von Stefan Kundert 

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