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Beobachtungen an der Maurischen Bachschildkröte
(Mauremys leprosa, SCHWEIGGER 1812)
in der Algarve, Portugal.

Urs Jost

Februar 2001


Sehr schön gefärbte, männliche Mauremys leprosa (Tier Nr. 8)

abstract:

key words:
Testudines; Batagurinae; Mauremys leprosa; Algarve; Portugal; distribution; observation under natural conditions; natural history; morphometry;

1. Einleitung:

Vom 26. Juli bis 08. August 1998 unternahmen meine Frau Heidi und ich eine Ferienreise in die Algarve, Portugal. In diesem Urlaub konnten wir Mauremys leprosa und ihre Begleitherpetofauna in verschiedenen Biotopen und zu verschiedenen Tageszeiten beobachten und fotografieren. Ziel war es aus den Beobachtungen im Biotop auch Rückschlüsse auf die Haltung von Mauremys leprosa in menschlicher Obhut zu ziehen.

Unser Hotel bezogen wir im kleinen Dorf Porches rund 13 km östlich von Portimao und 5 km von der Küste entfernt gelegen. Von hier aus haben wir verschiedene Exkursionen ins Landesinnere unternommen, mit dem Ziel einige Lebensräume von Mauremys leprosa zu finden und die Tiere dort zu beobachten.


Küste der Algarve wie sie der Tourist erlebt. Foto Urs Jost

Die Algarve, die südlichste der elf historischen Provinzen Portugals, erstreckt sich von Osten nach Westen zwischen 36°58' und 37°35' nördlicher Breite sowie 7°25' und 9° westlicher Länge. Damit nimmt sie den äußersten Südwesten der Iberischen Halbinsel Europas ein. Der Landschaftsstrich Algarve, der heute mit dem Distrikt Faro identisch ist, bildet mit einer Fläche von 4960 km2 nicht einmal einen Zwanzigstel der Gesamtfläche Portugals. Die Algarve ist an drei Seiten von Wasser begrenzt: im Westen und im Süden vom Atlantik, im Osten bildet der Guadiana die Grenze zu Spanien. Nach Norden schirmen zwei große Gebirgszüge die Region ab: die Serra de Monchique im Nordwesten und die Serra do Caldeirao im Norden und Nordosten. Die höchste Erhebung der Algarve ist der Foia in der Serra de Monchique mit einer Höhe von 902 m üNN.

Portugal hat insgesamt rund 10 Mio. Einwohner. Davon leben in der Algarve 350'000 Menschen. In den Sommermonaten muß vor allem der recht schmale Küstenstreifen mit einem grossen touristischen "Bevölkerungszuwachs" fertig werden. Die Algarve verfügt über derzeit 81'000 Gästebetten.


Portrait von Tier Nr. 11. Foto Urs Jost

Haupterwerbszweig ist heute der Tourismus. Daneben lebt ein Teil der Algarvios immer noch von der Landwirtschaft und dem Fischfang. Diese beiden Bereiche waren bis Ende der sechziger Jahre die Hauptertragsquelle, seitdem ist ihre wirtschaftliche Bedeutung stark rückläufig.


Portrait von Tier Nr. 11. Foto Urs Jost

2. Klima:

Mit 3'160 Sonnenstunden im Jahr ist die Algarve eine der wettersichersten Regionen der Erde. Durch die nördlich vorgelagerten Gebirge ist die Algarveküste von kühlen Einflüssen abgeschirmt und daher von ähnlichem Klima geprägt, wie die nordafrikanische Küste. Der mediterrane Einfluß sorgt für warme und trockene Sommer und der Einfluß des Atlantik wirkt ausgleichend und sorgt auch im Winter für milde Temperaturen.

In den wärmsten Monaten von Juni bis August liegen die mittleren Temperaturen zwischen 20.4°C und 23.0°C. Die mittleren Maximaltemperaturen zwischen 24.7°C und 27.8°C. Die mittleren Niederschlagsmengen zu dieser Jahreszeit bewegen sich zwischen 1 bis 7 mm. Die Wintermonate Dezember bis Februar zeichnen sich durch sehr milde Temperaturen aus. Die mittleren Temperaturen belaufen sich im Winter zwischen 11.6°C und 12.5°C und die mittleren Minimaltemperaturen zwischen 8.0°C und 8.7°C. Die mittlere Niederschlagsmenge beträgt zu dieser Jahreszeit 38 bis 66 mm. Die mittlere Jahresniederschlagsmenge beläuft sich auf ca. 420 mm. In den letzten Jahren sind aber die Niederschläge wesentlich geringer ausgefallen als zu erwarten war, was in der ganzen Algarve zu einem akuten Wassermangel geführt hat.

Tabelle 1:
Klimadaten von Praia da Rocha, Algarve, Portugal (MÜLLER, 1996)
Lage 37°7'N/8°32'W Höhe üNN 35 m

 

Jan.

Feb.

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug.

Sept.

Okt.

Nov.

Dez.

Mittl. Temp. (°C)

11.6

12.1

13.6

15.4

16.8

20.4

22.8

23.0

21.3

18.3

15.1

12.5

Mittl. Max. Temp. (°C)

15.3

15.9

17.1

19.3

21.3

24.7

27.6

27.8

25.4

22.0

18.6

16.3

Mittl. Min. Temp. (°C)

8.0

8.3

10.2

11.6

12.4

16.2

18.0

18.2

17.2

14.6

11.6

8.7

Mittl. Nierdersch. (mm)

59

38

69

31

24

7

2

1

18

44

58

66

Sonnenscheindauer (h)

175

191

219

276

322

352

387

363

281

235

181

180

3. Vegetation:

3.1 Ursprüngliche Waldrelikte:

In der Serra de Monchique sind noch Fragmente der ursprünglichen Hochmacchia (3-6 m) vorhanden, welche vorallem durch Eichen (Quercus lusitanica, Qu. faginea, Qu. ilex) , Mastixsrauch (Pistacia lentiscus), Steinlinde (Phillyrea angustifolia), Ahorn (Acer monspessulanus) und Erdbeerbaum (Arbutus unedo) gebildet wird.

In diesem Jahrhundert wurden vor allem die algarvischen Gebirge mit Pinien (Pinus) und Eucalyptus (Eucalyptus) aufgeforstet, was zu massiven ökologischen Problemen geführt hat (Wasserhaushalt der Wälder).

In Küstennähe sind besonders zwischen Faro und der Guadiano-Mündung großflächige Nadelwälder (Pinus pinaster) mit unterschiedlicher Dichte des Unterwuchses festzustellen. In unmittelbarer Küstennähe tritt lückige Dünenvegetation auf.

3.2 Niedrige Hartlaubgesellschaften:

Große Teile der Algarve sind mit Maccia bedeckt. Diese niederwüchsige Ersatzformation (1-2 m) für vernichteten Wald sind sehr dichte Hartlaubgesellschaften mit einer je nach Untergrund charakteristischen Bäumen und Sträuchern. Auf Kalk wachsen besonders Wacholder (Juniperus phoenicea), Kermeseiche (Quercus coccifera), Rosmarin (Rosmarinus officinalis), Mastixsstrauch (Pistacia lentiscus), Schneeball (Viburnum tinus), und Steinlinde (Phillyrea angustifolia). Auf Granit herrschen Ginsterarten (Genista, Cytisus, Ulex, Chamaespartium), Sonnenröschen (Halimium), Schopflavendel (Lavandula stoechas) und Ladanstrauch (Cistus landanifer) vor.

Bei starker Beweidung, nach Brand und wenn der Boden zu flachgründig wird, degeneriert die Macchia zur Garrigue. Vor allem in der algarvischen Gebirgen ist die Garrigue mit Zistrosen (Cistus ladanifer), Johannisbrotbaum Ceratonia siliqua und Zwergpalmen typisch.

3.3 Gewässer:

Die permanenten Fliessgewässer zeichnen sich durch einen starken Uferbewuchs aus Erlen (Alnus), Schwarzerlen (Alnus glutinosa), Ulmen (Ulmus), Brombeerhecken (Rubus) und Spanischem Rohr (Arundo) aus. Ein hoher Prozentsatz der Fliessgewässer versiegt im Sommer oder löst sich zu einer Kette oberflächlich oft nicht miteinander in Verbindung stehender Tümpel auf. In ihnen siedelt üppige Vegetation: Hahnenfuß (Ranunculus), Wasserlinsen (Lemna), Leichkräuter (Potamogeton), Seerosen (Nymphaea), Wasserstern, an den Rändern Binsen (Juncus), Schilf (Phragmites), Rohrkolben (Typha) und Spanisches Rohr (Arundo).


Eine Begegnung der besonderen Art. Mauremys leprosa und Natrix maura. Foto Heidi Jost

4. Mauriche Bachschildkröte, Mauremys leprosa (SCHWEIGGER, 1812):

Mauremys leprosa ist eine auf der Iberischen Halbinsel und in Nordafrika weit verbreitete Wasserschildkrötenart. Umso erstaunlicher ist es, daß in der deutschsprachigen Literatur nur sehr wenige Angaben zu finden sind. Meistens findet man Angaben zu dieser Art nur in auf eine bestimmte Region bezogenen herpetologischen Arbeiten: MALKMUS (1995), PFAU (1988). Mit der Systematik des europäisch-westasiatischen Mauremys-Koplexes setzen sich BUSACK & ERNST (1980), KAU & THIEME (1985), FRITZ & FREYTAG (1993), FRITZ & WISCHUF (1995), SCHLEICH (1996) und FRITZ & WISCHUF (1997) auseinander. In der terraristischen Literatur ist Mauremys leprosa eher untervertreten. Einzig die Arbeiten von FERBY & DEMEL (1986) und MARAN (1996) treten dabei positiv in Erscheinung. Spärlich Angaben finden sich auch bei ROGNER (1995), BASILE (1995), MÜLLER & SCHMIDT (1995) und MÜLLER (1995).

4.1 Systematik:

Die Spanische Wasserschildkröte, Mauremys leprosa, bilden zusammen mit den westasiatisch-südosteuropäischen Mauremys caspica und Mauremys rivulata, so wie den asiatischen Mauremys annamensis, Mauremys mutica , Mauremys japonica, Mauremys pritchardi und Mauremys iversoni die Gattung der Eurasischen Wasserschildkröte (Mauremys) der Familie Batagurinae (IVERSON, 1992; IVERSON & McCORD, 1994; ARTNER 1995; McCORD, 1997; ARTNER, 1998).

Während Jahren herrschte Unklarheit über den Artstatus von Mauremys leprosa. Bis zur Arbeit von LOVERIDGE & WILLIAMS (1957) sind die meisten Autoren BOULENGER (1889) gefolgt und haben Mauremys leprosa als eigenständige Art betrachtet. Erst nach der zuerst genannten Arbeit, welche sich hauptsächlich an der Färbung des Plastrons und der Brücke orientierte, wurde Mauremys leprosa dem Mauremys caspica-Formenkreis zugeordnet. WERMUTH & MERTENS (1961) übernahmen diesen Schlüssel und die meisten nachfolgenden Autoren schlossen sich dem weitgehend an. MERKLE (1975) so wie BUSACK & ERNST (1980) untersuchten den Formenkreis von Mauremys caspica mit den damals noch akzeptierten Unterarten M. c. caspica und M. c. rivulata. Seit diesen Untersuchungen wird Mauremys leprosa zurecht wieder als eigenständige Art anerkannt (zit. in KAU & THIEME 1995).

Bis 1996 wurde Mauremys leprosa als monotypisch betrachtet. SCHLEICH (1996) beschreibt in seiner Arbeit über den Formenkreis von Mauremys leprosa in Marokko 6 neue Unterarten welche sich nur auf das Staatsgebiet von Marokko beschränken. Die neuen Unterarten werden vor allem durch Zeichnungs- und Färbungsdifferenzen des Carapax und des Plastrons von juvenilen Tieren (Carapaxlängen der Holotypen zwischen 65 und 89.5 mm) unterschieden. Gleichzeitig spekuliert SCHLEICH über weitere taxonomische Konsequenzen bei Einbezug von europäischen Tieren vom spanischen und portugiesischen Festland in die Betrachtungen.

1998 beschreiben BOUR & MARAN (1998) eine weitere Form von M. leprosa von der Oase Sidi El Mehadaoui, Province de Tata, Marokko. Diese neue Unterart, Mauremys leprosa vanmeerhaeghei, zeichnet sich vor allem durch blaue Augen aus. Im Gegensatz zu den meisten bekannten Formen von Mauremys leprosa, welche einen horizontalen Balken durch die Pupille aufweisen ist dies bei M. leprosa vanmeerhaeghei nicht der Fall. Das Auge ist zeichnungslos und die Iris ist von aufallend blauer Farbe.

In wie weit sich diese Vielzahl von neubeschriebenen Unterarten von Mauremys leprosa, nur schon aus Marokko, in Zukunft unter Beizug von Untersuchungen an Museumsmaterial aus den verschiedenen anderen Vorkommensgebieten halten kann ist fraglich, zumal sich die Unterscheidungsmerkmale zwischen den neuen Unterarten, welche SCHLEICH beschrieben hat, nur an juvenilen und subadulten Tieren erkennen lassen und mit zunehmenden Alter immer mehr verwischen.

SCHWEIGGER (1812) hat in seiner Beschreibung von Mauremys leprosa die Terra typica als unbekannt angegeben. MERTENS & MÜLLER (1928) präzisieren in ihrer Liste der Amphibien und Reptilien Europas den Fundort und geben als Terra typica restricta Südspanien an (zit. in BOUR & MARAN, 1998). Nach dem momentanen Stand der Untersuchungen zur Gattung Mauremys kann davon ausgegangen werden, daß es sich bei den portugiesisch Tieren, insbesondere den von uns beobachteten Exemplaren in der Algarve, um die Nominatform Mauremys leprosa leprosa (SCHWEIGGER, 1812) handelt.

Die Unterarten von Mauremys leprosa stellen derzeit folgendermassen dar:

  • Mauremys leprosa leprosa (SCHWEIGGER, 1812)
  • Mauremys leprosa atlantica SCHLEICH, 1996
  • Mauremys leprosa erhardi SCHLEICH, 1996
  • Mauremys leprosa marokkensis SCHLEICH, 1996
  • Mauremys leprosa saharica SCHLEICH, 1996
  • Mauremys leprosa vanmeerhaeghei BOUR & MARAN, 1998
  • Mauremys leprosa wernerkaestlei SCHLEICH, 1996
  • Mauremys leprosa zizi SCHLEICH, 1996

4.2 Verbreitung:

M. leprosa lebt in Europa in Portugal, Spanien und im südlichsten Frankreich. In Nordafrika ist sie mit Sicherheit in Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen verbreitet. Nach IVERSON (1992) sollen noch Fundorte in Mauretanien, Mali, Niger und Gambia bekannt sein. Diese Angaben sind aber sicherlich fraglich. Die Verbreitung von Mauremys leprosa in Portugal ist im Kartierungswerk von MALKMUS (1995) zur Herpetofauna Portugals und der Azoren in einem Raster von sehr 10 x 10 km sehr genau festgehalten. Wir konnten Mauremys leprosa in sechs verschiedenen Biotopen der Niederalgarve nachweisen (siehe Abschnitt 4.4).

Verbreitung von Mauremys leprosa in Portugal nach MALKMUS (1995) ergänzt mit eigenen Fundorten. Darstellungsgrundlage: Gitternetzkarte auf UTM-Basis (10 x 10 Km-Raster) Fundorte von MALKMUS, Fundorte aus der Literatur 1863-1975, s Fundorte aus der Literatur und Angaben von Gewährsleuten nach 1975. Eigene Fundorte.

4.3 Beschreibung:

Der Carapax ist nur leicht gewölbt und bei den von uns beobachteten Tieren der Algarve kastanienbraun. Bei juvenilen Exemplaren bis zu einer Stockmasslänge von ca. 8 cm sind drei Kiele über den Carapax erkennbar, wobei die beiden seitlichen Kiele nur schwach ausgeprägt sind. Die seitlichen Kiele verlieren sich mit dem Alter und auch der Mittelkiel ist bei sehr alten Exemplaren nicht mehr zu erkennen. Der Carapax ist bei den Männchen gestreckter als bei den Weibchen. Zudem ist er weniger stark gewölbt und leicht tailliert. Der Carapax der Weibchen ist in der Aufsicht runder und stärker nach oben gewölbt. Der Plastron der Männchen ist konkav, der Schwanz länger und an der Schwanzwurzel sehr viel dicker als bei den Weibchen. Die Kloakenöffnung der Männchen liegt ausserhalb des Carapaxrandes. Bei den weiblichen Tieren ist der Plastron gerade oder leicht konvex. Die Kloakenöffnung liegt innerhalb des Carapaxrandes. Die Geschlechtsunterschiede sind ab einer Größe von 50 bis 60 mm, das heisst ab einem Alter von ca. 3 Jahren, gut zu erkennen. MARAN (1996) gibt für den Eintritt in die Geschlechtsreife für Weibchen eine Größe von 140 mm und für Männchen eine von 75 mm an.

Nach SCHLEICH (1996) sollen die Weibchen größer werden als die Männchen und eine maximale Stockmasslänge von bis 25 cm erreichen. Auch MARAN (1996) gibt eine maximale Größe von 25 cm für ein marokkanisches Tier an. Das größte von uns vermessene Exemplar war ein Männchen und hat eine Carapaxlänge von 19.1 cm. Das größte von uns vermessene Weibchen hat dagegen eine Carapaxlänge von 18.1 cm. Schlüpflinge messen zwischen 23 und 30 mm (GLÄSS & MEUSEL, 1972), resp. ca. 32 mm (SCHLEICH, 1996). PFAU (1998) beobachtete Schlüpflinge von Mauremys leprosa mit einer Größe von 27 - 28 mm bei Almansil bei Faro. Die kleinsten von uns vermessenen Tiere hatten eine Carapaxlänge von 57 rsp. 58 mm.

Die Carapax-Färbung der von uns beobachteten ausgewachsenen Tiere war ausnahmslos kastanienbraun bis bräunlich-oliv bei ganz alten Tieren. Bei ausgewachsenen Tieren sind nur ansatzweise oder keine Zeichnungselemente zu erkennen. Bei juvenilen Tieren bis zu einer Carapaxlänge von ca. 12 cm sind auf dem Rückenpanzer mehr oder weniger klare hellere bis ins orange gehende Flecken und Ocellen zu erkennen. Die Plastronfärbung variiert von hell einfarbig gelbgrün zu einheitlicher, fast schwarzer Grundfärbung mit hellem Saum oder einer meist mehr oder weniger symmetrischen Figur, bestehend aus schwarzen Flecken. Bei juvenilen Exemplaren können im Bereich der Brücke, wie auch am Rande der Subcaudal- und der Humeralschilder orangenfarbene Zeichnungselemte auftreten.

Die Weichteilzeichnungen von Kopf und Hals sind sehr typisch für Mauremys leprosa. Entlang des Halses ziehen sich auf jeder Seite 5 bis 6 mehr oder weniger stark unterbrochene gelb bis orangefarbene Längsstreifen auf dunkelolivem bis braunem Grund, welche sich bis auf die Vorderbeine fortsetzen. Der abgesetzte gelbe bis orangenfarbene Wangenfleck zwischen Auge und Ohröffnung ist ein unverwechselbares Erkennungszeichen für Mauremys leprosa. Die orangen Linien setzen sich auf Ober- und Unterkiefer in unterbrochenen und verschnörkelten Mustern fort. Diese Weichteilzeichnung kann im fortgeschrittenen Alter stark verblassen, ist aber ansatzweise, vor allem der Wangenfleck, bei den von uns beobachteten Tieren immer erkennbar. Der Oberkiefer ist in der Mitte von den Nasenlöchern bis zum Kieferrand gekerbt. Die Hinterbeine sind bei den von uns beobachteten adulten Tieren meist zeichnungslos oliv bis bräunlich gefärbt. Juvenile Mauremys leprosa zeigten zum Teil auch an den Hinterbeinen schwache orangerot bis gelbe Flecken und schnörkelhafte Zeichnungselemente. Der Schwanz ist ohne Zeichnung dunkelbraun bis dunkeloliv.

Alle von uns beobachteten Mauremys leprosa der Algarve zeigen einen helle gelbgrüne Iris mit einem typischen dunklen, horizontal gestellten Querstreifen durch die Pupille. KAU & THIEME (1985) erwähnen als Ausnahme einzelne Mauremys leprosa aus Tunesien und Spanien mit dunkler Iris und ohne Querstreifen.

Tabelle 2: Messdaten der von und gefangen und vermessenen Mauremys leprosa

Nr.

Fundort

Geschl.

Carapax-Länge mm

Carapax-Breite mm

Besondere Merkmale

1

2

m

191

136

schokoladenbraun, makellos, Carapax tailliert

2

2

w

181

132

schokoladenbraun, rechtes Hinterbein amputiert, linkes Vorderbein mit Ödem.

3

2

w

102

62

schokoladenbraun, makellos

4

2

m

168

124

Plastron mit verheilter Nekrose, Carapax vorn beschädigt

5

1

m

145

105

schokoladenbraun, makellos

6

1

w

178

131

sehr altes Tier, Carapax abgeschliffen, Weichteilzeichnung sehr schwach

7

1

m

92

69

schokoladenbraun, makellos

8

1

m

118

88

schokoladenbraun, makellos

9

1

m

94

70

schokoladenbraun, Carapax hinten links stark beschädigt

10

2

w

170

124

schokoladenbraun, makellos

11

2

m

102

81

schokoladenbraun, makellos

12

2

?

58

44

schokoladenbraun, makellos

13

1

m

102

78

schokloladenbraun, Schwanz coupiert

14

1

m

102

80

schokoladenbraun, makellos

15

1

m

84

69

schokoladenbraun, makellos

16

1

w

165

114

schokoladenbraun, makellos; beim Fressen von Fisch überrascht

17

1

m

132

96

schokoladenbraun, makellos

18

1

m

93

73

schokoladenbraun, makellos

19

1

?

57

50

schokoladenbraun, makellos

20

4

m

162

118

Nekrose am Plastron

21

4

w

131

103

schokoladenbraun, makellos

22

4

?

72

56

Carapax hinten mit Nekrose

4.4 Lebensraum:

Mauremys leprosa bevorzugt langsam bis mäßig rasch fließende Bäche, Flüsse und Bewässerungsgräben, sowie stehende Gewässer (Wasseransammlungen in Steinbrüchen und Lehmgruben, gelegentlich auch Dorfweiher und Reisfelder; ausnahmsweise sogar in Brunnen) mit schlammigem und sandigem Untergrund und Pflanzenbewuchs (MALKMUS, 1995). Der begleitende Ufersaum ist meist stark bis mäßig verwachsen mit Sonnenplätzen auf Erd- und Felsstuffen, so wie in die Gewässer ragende Aste von Büschen und umgestürzte Bäume.
Wir haben Mauremys leprosa, in zum Teil großer Dichte, in sechs verschiedenen Biotopen beobachtet.


Ausgewachsenes Mauremys leprosa beim Sonnenbad treibend im
Wasser. Foto Heidi Jost

Fundort 1:
Schon am ersten Tag konnten wir die Spanische Wasserschildkröte von einer Brücke, welche bei Odelouca über den Ribeira de Odelouca führt, beobachten. Der Ribeira de Odelouca führt im Sommer, wie die meisten anderen Flüsse der Algarve, nur sehr wenig Wasser. Im zwischen 15 und 20 m breiten Flußbett bilden sich mehr oder weniger große Restwassertümpel, welche nur noch sehr spärlich von Frischwasser durchflossen werden. Der gesamte Flußsaum ist mehr oder weniger stark mit Eschen, Erlen, Ulmen, Bromberhecken und immer wieder Spanischem Rohr bewachsen. Die Ufervegetation ist an manchen Stellen so dicht, daß ein von der Schildkröten unbemerktes Durchdringen bis ans Wasser nicht möglich ist. Im Wasser selber konnte Hahnenfuß, Leichkräuter und an den Ränder Binsen, Schilf und Rohrkolben festgestellt werden. Von der Brücke konnten ein südlich gelegener Restwasserteich von ca. 200 m2 Wasseroberfläche und einer Tiefe von ca. 1.80 m komplett eingesehen werden. Da das Wasser sehr klar war konnten die Tiere z.T. auch unter Wasser beobachtet werden. In diesem Gewässer konnten jeweils zwischen 20 und 30 Exemplare von Mauremys leprosa beobachtet werden. Die Wassertemperatur betrug zu dieser Jahreszeit in diesem Restgewässer 28°C.

Fundort 2:
Nördlich der Brücke ist der Ribeira de Odelouca im Abstand von ca. 200 m zur Brücke mit einem Erdwall gestaut. Dieser "Stausee" dient zur Wassergewinnung für die Bewässerungsanlagen der Plantagen und Gärten in unmittelbarer Nähe des Flusses. In diesem ca. 500 m langen gestauten Flussabschnitt konnten an verschiedensten Stellen Mauremys leprosa beim Sonnen, der Nahrungssuche, der Balz und bei der Paarung beobachtet werden. Die meisten Beobachtungen konnten an geschützten Stellen dieses Flussabschnittes, wie kleinen Buchten, "Altarmen" usw. gemacht werden. Im offen, tiefen Wasser beobachteten wir mit ausnahme eines Tieres keine Schildkröten.


Fundort Nr. 2: Ribeira de Odelouca, bei Odelouca


Carapax-Ansicht eines adulten Pärchens M. leprosa von Fundort
Nr. 2 (links Männchen Nr. 1, rechts Weibchen Nr. 2).


Plastron-Ansicht eines adulten Pärchens M. leprosa von Fundort
Nr. 2 (links Männchen Nr. 1, rechts Weibchen Nr. 2).

Fundort 3:
Rund 3 km nördlich entlang des Ribeira de Odelouca beobachteten wir wiederum Mauremys leprosa in großer Bestandesdichte in Resttümpeln des Flusse. Im Gegensatz zu den Biotopen bei der Brücke war hier das Wasser mit einem Teppich von schwimmenden Fadenalgen bedeckt durch welchen sich die Schildkröten beim Schwimmen durchkämpfen mußten. Die Wassertempertatur betrug hier aufgrund der geringeren Wassermenge 30°C.

Fundort 4:
2 km nördlich von Porto Lagos an der Straße in Richtung Monchique in Flußbett des Ribeira de Boina beobachteten wir Mauremys leprosa in einem ca. 100 m2 grossen Tümpel, der an den Ränder praktisch vegetationslos ist. Die Wasserschildkröten sonnten sich an den trockenen Erdufern und vor allem ein 2 m vom Ufer entfernter Stein und eine kleine Wurzel welche aus dem Wasser ragten dienten als Sonnenplatz. Auf dem Stein und der Wurzel sonnten sich auf einer Fläche von ca. 50 x 50 cm im Maximum 8 Tiere.


Fundort Nr. 4: Restwassertümpel im Flussbett des Ribeiro de Boina

Fundort 5:
Bei Monte Negro, 1.5 km vom Flughafen von Faro entfernt, konnten wir juvenile Mauremys leprosa mit einer Carapaxlänge von rund 6.5 cm in einem kleinen, stark verschmutzten Bächlein nachweisen. Dieses Bächlein mit einer Breite von max. 1.5 m und einer Wassertiefe von kaum 20 cm ist sehr stark bewachsen mit Spanischem Rohr, Schilf, Binsen, Wasserhahnenfuß und Brombeerhecken. Leider dient dieser Bachgraben zur Deponie von allerlei Haushaltsmüll. So konnten wir Mauremys. leprosa zwischen Plastiksäcken und PET-Flaschen sehen.

Fundort 6:
Im Naturpark Reserva Natural da Rio Formosa beim Informationszentrum bei Olhao konnten wir Mauremys leprosa in einem Teich unweit (300 m) der Küste beobachten. Dieser Teich ist nicht zugänglich, da er den Besuchern des Naturparks zur Vogelbeobachtung dient. Es war uns also nicht möglich festzustellen, ob dieser Teich, so nahe der Küste ev. Brackwasser enthielt. Aufgrund der Vegetation ist dies aber eher zu bezweifeln.

Mauremys leprosa konnten wir im Brackwasser nicht nachweisen, obwohl wir in den von MALKMUS (1995) erwähnten Gebieten bei Portimao mehrfach gesucht haben.

4.5 Biologie:

4.5.1 Thermoregulation:

Die tagaktive Mauremys leprosa erscheint meist nur bei Sonnenschein, dann aber in grösseren Kolonien, ausserhalb des Gewässers. Wir konnten sie in allen sechs beschriebenen Biotopen bei Sonnenschein zu jeder Tageszeit beim Sonnenbad beobachten. Die größten Kolonien ausserhalb des Wasser beobachteten wir jeweils zwischen 10.00 und 13.00 Uhr. Zur Mittagszeit konnten des öfteren zwischen 6 bis 12 Tiere auf einer Fläche von ca 1 m2 am Ufer beim Sonnenbad beobachtet werden. Am Nachmittag ließen sich die Tiere oftmals an der Wasseroberfläche treiben um so ihre Vorzugstemperatur zu erreichen rsp. sie beizubehalten. So bald die Gewässer resp. die Uferzonen am Abend nicht mehr von der Sonne beschienen waren konnten auch keine Schildkröten mehr ausserhalb des Wassers beobachtet werden.

4.5.2 Ernährung:

Ab ca. 18.30 Uhr konnten die Tiere jeweils bei der Nahrungssuche am Grund der Gewässer beobachtet werden. Was alles genau gefressen wurde konnte leider nicht eruiert werden. Sicherlich dürften verschiedene Süsswasserkrebse, Wasserinsekten und deren Larven, wie auch Wasserschnecken und Würmer verzehrt werden. Andererseits konnte eine weibliche Mauremys leprosa um ca. 19.00 Uhr beim Verzehr eines Kadavers, eines schon den ganzen Tag tot im Gewässer treibenden Karpfens, beobachtet werden. Dieses Tier biß unter Zuhilfenahme seiner mit Krallen bewehrten Vorderbeine große Stücke aus dem toten Fisch. Ein ausgewachsenes Männchen von Mauremys leprosa haben wir während zwei Tagen auf dem Balkon des Hotelzimmers in einem Wasserbecken gehalten bis es Kot abgesetzt hat. Die optische Beurteilung der Zusammensetzung des Kotes zeigte uns, daß dieses Tier neben verschiedenen Kerbtieren eine größere Menge pflanzlicher Nahrung zu sich genommen haben mußte. Mauremys leprosa kann folglich zurecht als omnivore Süsswasserschildkröte bezeichnet werden (MARAN, 1996).

4.5.3 Flucht- und Abwehrverhalten:

Wie alle europäischen Süsswasserschildköten reagiert Mauremys leprosa bei Störung durch sofortiges Abtauchen. Erstaunlich für uns war aber, daß die abgetauchten Tiere nach sehr kurzer Zeit (3-5 Minuten) wieder auftauchten und ihren Sonnenplatz ausserhalb des Wassers aufsuchten. Diese Feststellung machten wir bei allen Biotopen welche wir besuchten. Das heisst die Tiere verhielten sich immer gleich "zutraulich" ob sie nun in einem Lebensraum lebten, in welchem sie des öfteren mit dem Menschen konfrontiert wurden (Brücke, Wasserpumpe) oder in vom Menschen eher selten besuchtem Terrain.

Diesen Umstand machte sich meine Frau Heidi zu nutze, in dem sie sich nach dem erstmaligen Abtauchen der Schildkröten mit der Fotokamera bewaffnet beim Sonnenplatz der Tiere in unmittelbarer Nähe auf die Lauer legte und so Portraitaufnahmen von Mauremys leprosa im natürlichen Lebensraum schießen konnte. Auch das Fangen zur genauen Dokumentation und Vermessung war auf diese Art sehr einfach. Mit einem kleinen Kescher (gekauft an einem Souvenierstand) konnten wir inert kürzester Zeit 10 Mauremys leprosa unterschiedlichster Größe fangen. Beim Fang zeigt Mauremys leprosa eine weitere Besonderheit, in dem sie zur Abwehr einen sehr starken, übel nach Fisch riechenden Geruch abgibt.

4.5.4 Fortpflanzung:

Verschiedene Male konnten wir Werbeverhalten der Männchen und einmal sogar ein Paarung beobachten. Die Männchen schwimmen bei Erkennen eines geschlechtsreifen Weibchens unter leicht zuckendem Kopfnicken seitlich schräg oder von unten auf die Weibchen zu. Bleibt das Weibchen im Wasser an Ort schwimmt das Männchen in eine Position in welcher es den Kopf des Weibchens frontal mit seiner Nasenspitze unter leicht zuckendem Kopfnicken berühren kann. Dieses Schauspiel konnten wir zwei Mal beobachten. Die Weibchen tauchten dann jeweils nach ca. 2-3 Minuten ab und wir konnten nicht beobachten ob es zum Aufreiten des Männchens gekommen ist. In einem Fall haben sich gleichzeitig zwei Männchen in der vorher beschriebenen Art um ein Weibchen bemüht.

Am 27.07.98 um ca. 14.00 Uhr konnte ich ein stattliches Pärchen von Mauremys leprosa bei der Paarung in Copula beobachten. Die Tiere befanden sich in einer kleinen, ca. 30 cm tiefen, ruhigen Zone des Ribeira de Odelouca. Das Männchen ist beim Weibchen aufgeritten und hat sich dann nach hinten abgleiten lassen, ähnlich wie es die verschiedenen Terrapene-Arten an Land praktizieren. In dieser Position hat sich das Männchen nur mit den Hinterbeinen am Carapax des Weibchens festgehalten, während die Vorderbeine in der "Luft" hingen. Eine Photographie einer solchen Szene der Paarung von Mauremys leprosa findet sich bei SCHLEICH et al. (1996). In dieser Position verhielt sich das Männchen ruhig, währen das Weibchen seinen Kopf ruckartig aber rhythmisch nach oben und unten bewegte. Leider hat sich das ganze Schauspiel zwischen und hinter einem ins Wasser gestürzten Astes abgespielt, was zu nicht sehr aussagekräftigen Fotos führte. Als das Weibchen mich entdeckte ist es sofort ins tiefere Wasser weggeschwommen und hat das Männchen hinter sich nachgezogen. Das Männchen konnte sich erst nach ca. 2.00 m Flucht des Weibchens aus der Copula befreien und seinerseits selbständig flüchten.

Über die Zeit der Eiablage und die Anzahl der abgelegten Eier gibt es zu portugiesischen Populationen keine Angaben (MALKMUS, 1995).

ERNST & BARBOUR (1989) geben für Mauremys leprosa unbekannter Herkunft Gelegegrössen von 6 - 9 Eiern an. MARAN (1996) berichtet von Gelegegrössen von 3 - 14 Eiern. Bei mir hat ein Mauremys leprosa Weibchen unbekannter Herkunft im Juni 1998 im Freilandgehege ein Gelege mit nur 2 Eiern mit einer Größe von 35 x 20 mm abgesetzt. MARAN (1996) gibt Eigrössen von 32 x 19 bis 38 x 20 mm mit einem Gewicht von 8 - 10 g an.

PFAU (1988) fand schon im April bei Almansil, ca. 16 km nordwestlich von Faro, mehrere Schlüpflinge von Mauremys leprosa mit einer Carapaxlänge von 27 bis 28 mm etwa 80 m vom einem Tümpel entfernt. Sie liefen alle ausnahmslos, von einer grossen Lichtung des östlichen "lagos" gelegenen Pinienwaldes kommend , auf das Wasser zu. Sowohl ihr Panzer (geringe Größe, fehlende Wachstumsstreifen, noch nicht abgeschlossene Verwachsung des Bauchpanzers) als auch die weit weg vom Wasser abgelegenen Fundpunkte lassen PFAU vermuten, daß sich die Schildkröten auf dem Weg vom Nest- und Schlupfplatz zum Tümpel befanden. Ob diese Schlüpfling aus Gelegen stammen, welche schon im Februar gelegt wurden ist unklar. Könnte es doch auch sein, daß die Jungtiere aus Herbstgelgen stammen und entweder schlupfreif im Ei oder schon geschlüpft in der Eigrube überwintert haben.

Über die Eizeitigungsdauer ist über die portugiesischen Tiere nichts bekannt. MARAN gibt allgemein eine Dauer von 60 - 82 Tagen an. ERNST & BARBOUR sprechen von 65 - 80 und KÖHLER (1997) von 77 - 97 Tagen. Die Schlüpflinge variieren in der Größe nach MARAN (1996) von 22.7 x 17.2 bis 26 x 20 mm bei einem Gewicht von 5 g.


Sonnende resp. auftauchende Mauremys leprosa an Fundort Nr. 1.
Foto Urs Jost

4.5.5 Winter-/Sommerruhe:

In den östlichen und nördlichen Verbreitungsgebieten Portugals und Spaniens hält Mauremys leprosa bei ungünstigen Witterungsverhältnissen zwischen November und Februar/März eine längere Ruhepause ein. Tiere in der Algarve dürften schon aufgrund der Temperaturverhältnisse im Winter (s. Abschnitt 2: Klima) kaum zu einer eigentlichen Hibernation übergehen. Versuche von Terrarianern in unseren Breitengraden Mauremys leprosa im Gartenteich zu überwintern haben immer mit dem Tod der Tiere geendet.

Die beim sommerlichen Versiegen von Bächen entstehenden Restkolken liegen oft in großer Entfernung zum nächsten, permanenten Gewässer. Ob nach Austrocknung dieser Kolke Abwanderungen zum nächsten permanenten Fliessgewässer stattfinden, ist nicht bekannt, aber bei größerer Entfernung über 2 bis 3 km unwahrscheinlich. Es muß daher eine oft ausgedehnte Sommerruhe zwischen Mai und Oktober für einzelne Populationen angenommen werden (MALKMUS, 1995).

4.5.6 Begleitherpetofauna:

Mauremys leprosa konnten wir in jedem von uns besuchten Biotop syntop mit der Vipernatter (Natrix maura) und dem Iberischen Wasserfrosch (Rana perezi) beobachten. PFAU (1988) gibt als weitere Begleitherpetofauna zu Mauremys leprosa in der Niederalgarve die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis hispanica), den Spanischen Rippenmolch (Pleurodeles waltl), den Marmormolch (Triturus marmoratus), den Iberischen Scheibenzüngler (Discoglossus galganoi) und den Messerfuss (Pelobates cultripes) an.

Leider konnten wir Emys orbicularis hispanica trotz intensiver Suche in den von PFAU (1988) beschriebenen Gebieten nicht finden. In den Feuchtbiotopen bei Almansil, Faro und Olaho fanden wir aber immer wieder Mauremys leprosa (s. Abschnitt 4.4: Lebensraum).

4.6 Gefährdung:

Da Mauremys leprosa auch leicht bis mäßig verschmutzte Gewässer bewohnt, sind ihre Bestände nur dort gefährdet, wo Gewässer stark verschmutzt, vernichtet, oder durch Regulierung die Ufer- und Bettstrukturen von Bächen und Flüssen so umgestaltet werden, daß sie den Ansprüchen dieser Art nicht mehr gerecht werden.

Seit dem EU-Beitritt Portugals im Jahre 1986 dominiert unter dem Diktat eines sog. wirtschaftlich-industriellen Nachholbedarfs bei nahezu allen die Umwelt betreffenden Entscheidungen auf kurzfristig ökonomischen Erfolg ausgerichtete Überlegungen.

Auf der Edinburgher Konferenz (1992) einigte man sich darauf, den vier armen EU-Länder, darunter auch Portugal, bis 1999 mehr Mittel zuzugestehen, um den wirtschaftlichen Vorsprung der acht andern EU-Lander möglichst aufzuholen.

So wird zur Zeit ein ganzes Netz von Fernstraßen aufgebaut, die Verkehrsdichte steigt sprunghaft. Über Jahrhunderte gewachsene kleinbäuerliche Strukturen werden aufgehoben. Agrarparzellen werden zusammengelegt mit dem Ziel, sie auf großflächige Monokulturen umzustellen. Allerorts ist eine Zunahme der Mechanisierung und der Einsatz von agrochemischer Produkte zu beobachten. Die Vernetzung der einzelnen Amphibien- und Reptilienbiotope ist nicht mehr gegeben.

Eine Intensivierung der Landwirtschaft bedingt in diesem extrem sommertrockenen Klima eine Verstärkung der Bewässerung der Felder und Plantagen. Zu dem ist die Algarve das europäische Mekka des Golfsports. Die zahlreichen Golfplätze an der Küste müssen intensivst bewässert werden. Das Wasser wird dort geholt, wo es im Moment noch vorhanden ist. Dies wird zwangsläufig zu einer partiellen Trockenlegung von Bächen und Flüssen führen und so bei einer weiter anhaltenden Regenknappheit zum Verschwinden einiger Wasserschildkröten-Habitate führen.

5. Diskussion und Rückschlüsse auf die Haltung in menschlicher Obhut:

Die Haltung von Mauremys leprosa muß je nach Herkommensgebiet differenziert betrachtet werden. Grundsätzlich läßt sich aber sagen, daß das Verbreitungsgebiet im Südwesten von Europa sich durch ein Klima mit relativ milden Wintern und warmen bis heissen Sommern auszeichnet. Die Beobachtung einer aktiven Mauremys leprosa unter einer Eisschicht durch MALKMUS (1995) im Januar am Südhang der Serra da Malcata darf sicher als Ausnahme betrachtet werden. Mauremys leprosa wird in der Natur selten mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt konfrontiert, und so sich auch nur in Ausnahmefällen mit einer Eisdecke über ihren Wohngewässern auseinander setzen müssen. Die ganzjährige Freilandhaltung im Gartenteich sehe ich aus diesem Grunde als sehr fahrlässiges Unterfangen an, zumal der Schildkrötenhalter meist nicht weis woher seine Tiere ursprünglich stammen. In unseren Breitengraden ist mit so tiefen Temperaturen über längere Zeit zu rechnen, daß ein Teich unweigerlich während Wochen zugefroren ist und die Schildkröten (nicht nur Mauremys leprosa) mit der Sauerstoffversorgung große Probleme kriegen. Bei einer Überwinterung im Gartenteich ist jederzeit mit dem Verlust der Tiere zu rechnen (PLETSCHER mündl. Mttlg.). Die Überwinterung sollte aus eigener Erfahrung grundsätzlich nur kontrolliert im Keller erfolgen (s. auch MÜLLER & SCHMIDT, 1995) oder es muß durch andere geeignete Maßnahmen das Temperaturdeffizit ausgeglichen werden. KAU (zit. in BASILE, 1995) überwintert seine Mauremys leprosa aus Nordafrika seit Jahren in einer thermisch geschützten Gartenanlage mit gegebenfalls nötiger Zusatzheizung. In der Übergangszeit ist eine mindestens partielle Überdachung der Freilandanlage mit einer lichtdurchlässigen Konstruktion (Treibhauseffekt) zu empfehlen. Mauremys leprosa aus der Algarve oder aus nordafrikanischen Verbreitungsgebieten im Tiefland oder sogar Oasen sind bezüglich der Überwinterung sicherlich sehr vorsichtig zu behandeln und eventuell ist auch eine Sommerruhe im Trockenen angezeigt (vergleiche auch Pt. 4.5.5).

Die Ernährung von Mauremys leprosa sollte sehr abwechslungsreich sein und vor allem auch einen größeren Anteil vegetarischem Futter beinhalten (vergleiche auch Pt. 4.5.2). Eine Haltung der Tiere in einer natürlich bepflanzten Freilandanlage welche auch bezüglich Kleinlebewesen in einem gewissen "natürlichen" Gleichgewicht ist sicherlich von Vorteil. Die Tiere können sich einen grossen Teil, vor allem des vegetarischen Nahrungsanteils selber suchen. Auch Kleintiere wie Insektenlarven, Wasserschnecken und Würmer werden in einem natürlich gestalteten Gartenteich von den Schildkröten sehr intensiv gesucht, gefunden und auch gefressen.

Die Vergesellschaftung mit der Europäischen Sumpfschildkröte, Emys orbicularis, ist kein Problem, kommen diese beiden Arten auch in der Natur sympatrisch vor. Bei der Vergesellschaftung mit anderen Mauremys-Arten ist aber bei einer anzustrebenden Nachzucht mit einer Verbardastisierung zu rechnen. NIEDERHUBER (zit. in ARTNER, 1996) berichtete im Rahmen der Jahrestagung 1996 der SFÖ in Wien über die erfolgreiche Verpaarung eines Mauremys leprosa-Männchens mit einem Mauremys rivulata-Weibchen. Vier Jungtiere haben aufgrund dieses "Seitensprungs" nach einer Inkubationszeit von 100 Tagen das Licht der Welt erblickt.

6. Danksagung:

Mein Dank gilt in erster Linie meiner Frau Heidi für ihre Begleitung und photographischer Mitarbeit bei den Studien im Felde. Ohne ihre Geduld wären die meisten Fotos der Tiere im Biotop nicht entstanden. Für die kritische Durchsicht meines Manuskriptes danke ich den Herren Dr. Uwe Fritz, Staatliches Museum für Tierkunde Dresden und Peter Paul van Dijek,Biology Dept., Science Faculty Chulalongkorn University, Bangkok Theiland.

7. Literatur:

ARTNER, H. (1995): Nomenklatur aktuell: Gattung Mauremys.- EMYS, St. Pölten, 2 (4/2): 13

ARTNER, H. (1996): Bericht über die Jahrestagung am 9. und 10. März 1996 in Wien.- EMYS, St. Pölten, 3 (2): 27-28

ARTNER, H. (1998): Nomenklatur aktuell: Gattung Mauremys.- EMYS, St. Pölten, 5 (2/5): 42-43

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Veranstaltungshinweis:

5. internationales Symposium  Emys orbicularis
12.10.2010 – 16.10.2010
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